SEO-Texte verwandeln das Internet in eine Müllhalde
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Ein hässliches Geschäftsmodell: Billig-Content-Anbieter

Billig-Content-Anbieter versprechen hochwertige SEO-Texte für ein paar Cent pro Wort. Sie bieten jedoch minderwertige Ware, die von unterbezahlten Schreibern im Akkord produziert wird. Die Folge ist, dass das Internet mit überflüssigen, nichtssagenden Texten überflutet wird. Dass es für solche Texte überhaupt einen Markt gibt, ist ein Skandal. Denn sie vermitteln ein falsches Bild vom Schreiben, von der Bedeutung der Sprache und von Texten.

Das Schreiben ist eine Berufung. Ein Autor ringt, kämpft um die richtigen Worte — und um die Erkenntnis, die sich oft erst beim Schreiben selbst formt. Wer schreibt, deutet die Welt, beschreibt die Wirklichkeit oder schafft sogar mit Worten eine neue. Ein guter Text entsteht erst nach langem Nachdenken und gründlicher Recherche. Denn jede Idee bildet sich erst mit der Zeit heraus — ebenso wie aus dem Stein, den ein Bildhauer bearbeitet, nur langsam eine Form entsteht.

Natürlich erfüllt nicht jeder Text diesen hohen Anspruch. Vor Fehlern strotzende SEO-Texte sind jedoch lediglich eine Karikatur von etwas Geschriebenem. Mit ihrem substanzlosen Geplapper hüllen sie das Internet in eine riesige Wolke aus Dummheit. Ihr Entstehungsprozess ist bloß eine Simulation des Schreibens: Textabschnitte werden von anderen Seiten kopiert, Sätze umgeformt, ein paar eigene Wörter eingefügt und möglichst viele Schlüsselwörter möglichst oft benutzt, um die Suchmaschine bauernschlau zu überlisten.

Wer so etwas produziert und sich Autor zu nennen wagt, verhöhnt jeden, der ernsthaft schreibt, denn nichts geschieht dabei aus Liebe zur Sprache. Er verhöhnt das Wissen, das in Texten weitergegeben werden soll und das hier auf ein paar oberflächliche Fakten reduziert wird, die ein ums andere Mal reproduziert werden.

Solche Texte sind ein einziges Ärgernis. Eine Zumutung für den Leser, der im Internet ernsthaft nach Informationen sucht und sich fühlt, als würde er einen Müllhaufen nach einer Perle durchsuchen. Wer Kunden mit Hilfe solcher Taschenspielertricks auf wertlose Seiten locken will, zeigt nicht nur, dass es ihm an Respekt vor ihnen mangelt. Sondern auch, wie vulgär seine Absichten sind: Denn er will Geld verdienen, ohne einen Gegenwert zu liefern, und mit List die eigene Kasse klingen lassen. Mit ehrlicher Arbeit hat das wenig zu tun. Dass die Billig-Content-Schreiber ausgebeutet werden und oft nur auf einen Sklavenlohn von zwei bis drei Euro pro Stunde kommen, macht die Sache um so verwerflicher.

Hoffnungsfroh stimmt es nur, dass Google solche Texte mittlerweile abstraft. Möglichst viele Keywords in den Texten zu verstreuen – das mag vor einigen Jahren noch genügt haben, um das Google-Ranking zu verbessern. Doch primitive SEO-Texte werden heute abgewertet. Noch besser wäre es, wenn man sie gar nicht mehr fände, damit dieses Elend ein Ende nimmt.

Der Gorilla-Effekt beim Lektorat

Stellen Sie sich vor, bei einem Basketballspiel mischt sich ein Gorilla unter die Spieler. Oder vielmehr: eine Frau in einem Gorillakostüm. Sie spaziert über das Spielfeld und trommelt sich auf die Brust. Sie versucht alles, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch viele Zuschauer bemerken sie trotzdem nicht. Kaum zu glauben, oder?

Doch genau das geschah bei einem berühmten Wahrnehmungsexperiment. Dabei führten die US-Wissenschaftler Daniel Simons und Christopher Chabris den Probanden ein kurzes Video vor. Der Film zeigte zwei Teams bei einem Basketball-Spiel. Die Versuchspersonen sollten sich auf eine der beiden Mannschaften konzentrieren und zählen, wie oft sich die Spieler den Ball zuspielten. Danach wurden sie gefragt, ob ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei. 46 Prozent der Probanden antworteten mit Nein. Dass ein Gorilla über das Spiel gelaufen war, hatten sie nicht bemerkt. So sehr waren sie in ihre Aufgabe vertieft gewesen.

Dieses Experiment zeigt: Wenn man seine Aufmerksamkeit auf eine Sache richtet, blendet man andere Aspekte oft völlig aus. Denn unser Gehirn muss die große Datenmenge, die auf uns einströmt, filtern. Sonst könnte es nicht arbeiten, weil seine Kapazität begrenzt ist. Deshalb wählt es genau aus, welchen Reizen es seine Aufmerksamkeit schenkt. Und wer gerade konzentriert Bälle zählen muss, kann auch mal einen Gorilla übersehen.

Was das nun mit Lektorat zu tun hat? Ich werde ab und zu gefragt, ob ich nicht Lektorat und Korrektorat in einem Arbeitsgang erledigen könne. Das ist aber eine ganz schlechte Idee. Denn die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf ganz unterschiedliche Dinge. Ein Lektor achtet auf Inhalt, Tonalität und Textstruktur. Oft gestaltet er den Text neu, verleiht ihm eine neue Dramaturgie und einen einheitlichen Stil, streicht Überflüssiges, überprüft die Fakten im Text, kürzt Sätze, eliminiert Füllwörter … Mehr als genug Aufgaben fürs Gehirn. Rechtschreibfehler nimmt man beim Lektorieren nur zufällig wahr, das weiß ich aus langer Erfahrung. Beim Korrekturlesen ist es umgekehrt. Da achtet man nur auf Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler. Den Inhalt nimmt man kaum wahr. Und wenn mitten in einem Text über eine Baseballmeisterschaft plötzlich ein Satz auftaucht wie „Gorillas sind ziemlich auffällige Tiere“ – dann merkt das der Korrektor möglicherweise gar nicht. Wenn man versucht, beide Aufgaben – Lektorat und Korrektorat – gleichzeitig zu erledigen, funktioniert also beides nur halb. Bestenfalls.

Mehrere Arbeitsgänge sind also kein Luxus, sondern Pflicht. Am besten sollten für Lektorat und Korrektorat ohnehin verschiedene Lektoren eingesetzt werden. Denn ein gründlich lektorierter Text ist fast wie ein selbstgeschriebener Text. Und in selbstgeschriebenen Texten nimmt man Fehler nur sehr schwer wahr. Auch da spielt uns das Gehirn einen Streich.

Wenn Englisch das Problem ist

Als ich vor ein paar Jahren Urlaub auf Norderney gemacht habe, habe ich das Nordsee-Flair sehr genossen: Möwengeschrei, Strandkörbe, der Geruch von Meerwasser. In den Souvenirläden gab es Plüschmöwen, Sanddornlikör, Quittengelee, Kandissticks und Möweneier aus Marzipan zu kaufen. Doch als ich ein Schild im Schaufenster eines Modegeschäfts las, fühlte ich mich zurückversetzt in eine beliebige Großstadt: „Buy a jacket! Get a scarf for free!“ stand dort zu lesen.

Eine Jacke kaufen, ein Halstuch gratis

Ob diese Werbekampagne den Jackenverkauf wirklich anheizen konnte? Oder verebbte sie womöglich wirkungslos? Die Endmark GmbH untersucht regelmäßig die Verständlichkeit englischer Werbeslogans – und die Ergebnisse dieser Studien geben viel Grund zur Skepsis: Selbst einfache Sprüche werden von vielen Deutschen nicht richtig verstanden. Wenn es komplizierter wird, sind der Phantasie wenig Grenzen gesetzt: Der Jaguar-Slogan „How alive are you?“ wurde von einigen Befragten übersetzt mit „Wie überlebst du?“ – für einen Autohersteller sicher keine gute Werbung. Die Aufforderung „Buy a jacket! Get a scarf for free!“ dürfte daher wahrscheinlich eher zu einer Flut an Missverständnissen geführt haben als zu leeren Verkaufsständern.

Englisch als Firmensprache – viele Unklarheiten

Doch nicht nur englische Werbesprüche können dem Erfolg eines Unternehmens schaden. Es kann auch fatale Auswirkungen haben, wenn deutsche Unternehmen Englisch als Firmensprache einführen. Warum dies so ist, erklärte die Unternehmensberaterin Claudia Schmidt in einem lesenswerten Interview, das sie kürzlich der WirtschaftsWoche gegeben hat:

Gerade bei komplexen Themen häufen sich dann Missverständnisse, Fragen werden gar nicht erst gestellt, weil man nach der richtigen Formulierung sucht und Antworten nicht en Detail verstanden, was gerade bei Veränderungsprozessen natürlich fatal ist. Letztlich wird die gesamte Diskussion völlig ohne Not unter dem möglichen und notwendigen intellektuellen Niveau geführt.

 

Informationen werden oft also weder gut vermittelt noch richtig verstanden. Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, Fragen zu stellen – aus Angst vor einer Blamage. Andere überschätzen ihre Englischkenntnisse und merken es nicht einmal, dass sie ihre Ideen nur schlecht ausdrücken können – Hauptsache, man wirkt besonders gebildet und weltläufig.

Unvernünftige Selbstbeschränkung

Ohne Zweifel: Wirtschaft und Wissenschaft brauchen eine Lingua franca, und ohne Englischkenntnisse bleiben viele Märkte verschlossen. Doch es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen. Es ist eine unvernünftige Form der Selbstbeschränkung, wenn man für den gemeinsamen Austausch eine Sprache wählt, die die Beteiligten nicht qualifiziert beherrschen. Denn komplizierte Zusammenhänge kann man oft nur in der Sprache adäquat ausdrücken, die man am besten beherrscht. Noch schwieriger ist es, die feinen Schwingungen, die den Umgang miteinander bestimmen, in einer fremden Sprache zum Ausdruck zu bringen. Humor, Ironie und Sprachwitz entfallen ohnehin ersatzlos – denn dafür braucht man hervorragende Sprachkenntnisse.

Wohl niemand würde versuchen, mit Boxhandschuhen eine SMS zu schreiben. Denn es würde nur Kauderwelsch herauskommen – das Werkzeug ist einfach zu grob. Auch eine Fremdsprache kann sich als zu grobes Werkzeug erweisen: Wenn man sie nicht genug beherrscht, um Feinheiten auszudrücken. Dann entstellt man die eigenen Ideen, so gut sie auch sein mögen.

An dieser Stelle sei Wolf Schneiders wunderbares Buch „Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist“ empfohlen – ein amüsant zu lesendes Plädoyer für die deutsche Sprache. Wolf Schneider schätzt die Englischkenntnisse der Deutschen ausgesprochen pessimistisch ein: „Rund 60 Prozent können nicht Englisch – und von den 40 Prozent, die es zu beherrschen behaupten, haben offensichtlich viele übertrieben.“ (Kapitel 10) Ob er damit wohl recht hat?

E-Books

E-Books: Es ginge auch ohne sie …

E-Books seien „alberne Dateien, die gern Bücher wären, aber niemals sein dürfen“. Friedrich Forssman fällt im Suhrkamp-Blog ein hartes Urteil über das neue Medium. Sein Text ist polemisch, angriffslustig und recht mißgelaunt, liest sich aber – oder gerade deshalb – unterhaltsam. Selbst wenn man sich seinem harten Urteil nicht anschließen möchte, erscheinen seine Argumente durchaus plausibel:

 

  • E-Books sind flüchtig – wer weiß, wie lange ihre Formate noch lesbar sind und wie lange es Geräte gibt, auf denen sie gelesen werden können.
  • Die Texte sind nicht sauber lektoriert – dies ist jedoch ein Problem der ganzen Buchbranche. Das gedruckte Wort, das sprachliche Niveau neuerer Bücher und der gesamten Presse befindet sich in einem Verfallsprozess. Dies jedoch hier nur als Nebenbemerkung. Es ist auch bekannt, daß viele Verlage nicht bereit sind, Lektoren einen Stundensatz zu zahlen, von dem sie leben können. Auch beim Korrektorat wird gespart – vor kurzem erfuhr ich etwa, daß ein großer Verlag seinen Korrektoren weniger als 1 € pro Normseite bezahlt. Wenn schon die Großen der Branche auf gutes und fehlerfreies Deutsch keinen Wert mehr legen – wieso sollte der E-Book-Autor, der bei Amazon für  99 Cent seinen Romanerstling verkauft, es ihnen dann nicht gleichtun?
  • E-Books könnten überarbeitet und zensiert werden: Forssman entwirft ein interessantes, an Orwell erinnerndes Szenario. Man lädt ein Buch, das man gekauft hat, neu und erhält eine abgeänderte Version, „vielleicht mit gerechterer Sprache oder noch neuerer Rechtschreibung oder dort neuerdings gekürzt, wo vorher diese Länge nach dem ersten Drittel war“.

 

Ich nutze E-Books. Allerdings habe ich bei meinen Büchern eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft errichtet: Die Bücher, die einen Wert für mich besitzen und die ich immer wieder lese, möchte ich als gedruckte und möglichst schöne Ausgabe besitzen. Dostojewski steht natürlich im Bücherregal. Wenn ich jedoch von vornherein weiß, daß ich mir ein Buch nicht in den Schrank stellen möchte, kaufe ich es lieber als E-Book. Beispiele gibt es genug: Ratgeberbücher, die meist nicht sehr ansprechend gestaltet sind und die man nur einmal liest; Bücher, die rasch an Aktualität verlieren, weil sie Wissen präsentieren, das schnell veraltet; schlechte Krimis, die man liest, wenn man mit einer Grippe im Bett liegt; einige Nachschlagewerke. Deshalb widerspreche ich Forssman, wenn er verlangt, „daß alles, was wert ist, gelesen zu werden, weiterhin gedruckt wird. Und das schließt nicht nur die Hoch-, sondern auch die Flachliteratur ein und auch den Mist und die Graue Literatur und Landkarten und Reiseführer und Prospekte und alles, wovon wir froh sind, daß es das aus alten Zeiten noch gibt.“

Denn viele der Bücher, die heute in vorher nie gekannter Menge auf den Markt geworfen werden, sind bestenfalls in Buchform gepresste Heftchenromane – billig produziert in der Hoffnung auf Gewinn. Diese sollten nicht als Bücher gedruckt werden: Denn sie geben dann vor, etwas zu sein, was sie nicht sind. Ein E-Book ist in diesem Fall die geeignetere Form, wenn es denn kein Heftchenroman sein soll. Viele der E-Books von Selbstvermarktern sind ebenfalls Heftchenromane – aber in Dateiform. Das Gesamtbild, das sich aus diesen Beobachtungen ergibt, ist durchaus pessimistisch: einerseits Verlage, die sich mehr als früher an den Gesetzen des Marktes orientieren und vor allem auf Kostenoptimierung und hohe Verkaufszahlen bedacht sind – und zwar auch deshalb, weil sie durch die neuen Medien unter Druck gesetzt werden und den neuen Entwicklungen hinterherlaufen, statt eigene Akzente zu setzen. Andererseits der E-Book-Markt, dem jede ordnende Instanz fehlt, der wild ist, oft auch unappetitlich, realistisch betrachtet vielleicht eine große Müllhalde mit verborgenen Perlen.

Wie dem auch sei: Einige Texte besitze ich lieber als E-Book, weil ich mich nur schwer dazu überwinden kann, ein Buch wegzuwerfen. Bücher haben für mich Anteil an der Aura des Numinosen, die heilige Schriften umgibt. Sie sind für mich in gewisser Weise unantastbar. Diese Aura ist jedoch an ihre materielle Form gebunden. Und vielleicht ist dies der Grund, warum man sich Dinge besser merken kann, die man in einem Buch gelesen hat. Texte in Dateiform mögen hochvergeistigt sein, weil ihnen jede Materialität fehlt. Doch der Leser, ein Mensch aus Geist und Fleisch, versteht das besser, was ihm ähnlich ist. So bleiben Lesen und Verstehen sinnliche Prozesse. Und da beim Lesen eines Buchs mehr Sinne beteiligt sind als beim Lesen einer Datei, hinterlassen sie einen stärkeren Eindruck.

Gefangen im Wartungsmodus

Bei größeren Aufräumarbeiten muss man Besucher leider manchmal aussperren: Denn zu viel Chaos würde sie nur abschrecken, und am Ende kämen sie nicht wieder.

Als ich kürzlich meine Website überarbeitet habe, habe ich deshalb ein Wartungsmodus-Plugin genutzt, und zwar das „Under Construction“-Plugin von Jeremy Massel. So wurde dem Besucher angezeigt, dass die Website kurzzeitig nicht verfügbar ist.

Doch als die Website fertig war, wollte die vorgeschaltete „Under construction“-Seite nicht verschwinden – obwohl ich das Plugin ausgeschaltet hatte. Auch eine komplette Deinstallation hat nicht geholfen.

Die Lösung: Ein Caching-Plugin war in die Quere gekommen, WP Total Cache. Nachdem ich es deaktiviert hatte, war die Website wieder sichtbar. Laut Google kommt das Problem öfter vor. Also besser zweimal hinschauen, sonst bleiben die Besucher draußen.

Buchmarkt: Keine Chance auf Veröffentlichung?

Falsche Erwartungen werden gewöhnlich von der Wirklichkeit korrigiert. Manchmal hat man aber auch unrealistische Bilder im Kopf, an denen man gerne festhält. So geht es Autoren oft mit den großen Verlagen: Gerne möchte man in ihnen Institutionen sehen, die sich der Literaturförderung verschrieben haben und sich daher nicht vorrangig von wirtschaftlichen Überlegungen leiten lassen. Eine Vorstellung, die noch immer weitverbreitet ist.

Wenig Chancen für neue Autoren

Doch der Alltag im Verlag sieht anders aus. Als Studentin habe ich ein Praktikum bei einem großen Publikumsverlag gemacht. Jeden Morgen lag ein Stapel unaufgefordert eingereichter Manuskripte auf meinem Schreibtisch.  Ich sollte sie prüfen, und das bedeutete: ein paar Seiten lesen und in der Regel gleich einen Absagebrief schreiben. Wenn ein Manuskript gut ist: an den Verlagslektor weiterreichen. Dass es unmöglich war, alle Texte gründlich zu lesen, lag für mich auf der Hand: Die Masse der Manuskripte wäre sonst gar nicht zu bewältigen gewesen.

Ich fragte einen Lektor, ob man mit einem unaufgefordert eingereichten Manuskript überhaupt eine Chance habe. Da erzählte er mir eine Geschichte: Nur einmal hatte er einen Roman eines unbekannten Autors in den Händen, den er gerne herausgebracht hätte. Er hatte ihn sogar bei der verlagsinternen Lektorenkonferenz vorgeschlagen. Angenommen wurde der Roman jedoch nicht: Denn der Autor war schon über 50 – zu alt, um sich gut vermarkten zu lassen, sagte der Lektor.

Das ist natürlich schon lange her. Ein kürzlich erschienener Spiegel-Artikel bestätigt jedoch, dass sich in der Zwischenzeit nicht viel geändert hat. Der Artikel ist aus der Perspektive eines Verlagslektors geschrieben. An dem arroganten Grundton, den man manchmal heraushört, kann man sich zwar stören. Dennoch ist der Artikel aufschlussreich. Der wichtigste Satz ist sicher folgender: „Viele Schreiber sitzen einem Missverständnis auf: Als Verlag sind wir keine Literaturförderinstitution, sondern ein Unternehmen, das am Jahresende eine positive Bilanz liefern muss.

Verlage arbeiten gewinnorientiert

Das bedeutet: Verlage wollen mit ihren Produkten Gewinn machen, wie jedes andere Unternehmen auch. Sie bringen Bücher heraus, von denen sie glauben, dass sie sich gut verkaufen. Literaturförderung ist nicht ihr Metier, literarischer Anspruch wünschenswert, aber oft zweitrangig. Und was lässt sich gut verkaufen? Sicher keine sperrige Literatur, die ein Wagnis eingeht, sondern Texte, die einen Trend aufgreifen und eingängig geschrieben sind. Damit will ich keineswegs sagen, dass große Literatur nicht spannend sein kann und sich zwangsläufig schlecht verkauft. Sondern nur, dass die literarische Qualität eines Textes nicht entscheidend ist, wenn es ums Verkaufen geht. Auf der sicheren Seite ist ein Verlag mit marktkonformen Texten, die erprobten und gut funktionierenden literarischen Mustern folgen.

Dass gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen den Spielregeln des Marktes folgen, kann man ihnen nicht vorwerfen. Ablegen sollte man aber diesen rührend naiven Blick auf das Verlagswesen. Noch immer gibt es in der  Selbst- und Fremdwahrnehmung der Verlage gewaltige Brüche: Gerade die großen Verlage und ihre Lektoren zehren von dem Nimbus, Hüter und Mittler der Literatur zu sein. Ein Verlagslektor arbeitet oft ähnlich wie ein Projektmanager, doch viele Autoren halten ihn für einen Richter über den guten Geschmack. Sie fühlen sich persönlich getroffen, wenn ihr Manuskript abgelehnt wird – dabei bedeutet eine Absage meist nur, dass der Verlag denText nicht für verkaufsträchtig hält. Oder noch nicht einmal das, denn oft genug wirft nur ein Praktikant einen kurzen Blick auf die Texte und sie landen mehr oder weniger ungesehen im Papierkorb.

Alternativen für Autoren

Dennoch glaube ich, dass ein gutes Buch immer seinen Weg an die Öffentlichkeit finden kann. Denn natürlich gibt es auch Verleger, denen es vor allem um Literatur geht. Gerade die kleineren Nischenverlage bieten oft ein interessantes Programm und stellen sich der Aufgabe, Literatur zu entdecken und zu fördern. Und wer bereit ist, sein Buch selbst zu vermarkten, kann es als Selfpublisher herausbringen. Natürlich wünschen sich viele Autoren, bei einem bekannten Verlag unterzukommen. Doch weder ist das ein Ritterschlag für einen Dichter, noch ist eine Absage eine persönliche Niederlage. Es ist also höchste Zeit, die großen Verlage zu entzaubern.

 

Mit gutem Webtext stellen Sie Ihr Angebot überzeugend dar

Singen und schreiben kann doch jeder

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Oper. Seit Wochen freuen Sie sich schon darauf. Denn Ihr Lieblingskomponist hat ein neues Stück geschrieben. Die Uraufführung wollen Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen …

Sie machen es sich in Ihrem Theatersessel bequem. Der Vorhang geht auf. Sie staunen über das prunkvolle, perfekt ausgeleuchtete Bühnenbild und die prächtigen Kostüme der Sänger. Das Orchester beginnt zu spielen. Gleich hebt der Tenor zur ersten Strophe an. Doch was passiert dann?

Der Tenor trifft kaum einen Ton. Die anderen Sänger auch nicht. Alles hört sich schief an. Sie sind enttäuscht. In der Pause sprechen Sie den Opernintendanten an, der draußen im Foyer steht. „Die Sänger können doch gar nicht singen!“, sagen Sie zu ihm. Er wiegelt ab: Auf den Gesang komme es doch gar nicht an. Das Bühnenbild und die Kostüme seien schon so teuer gewesen. Für richtige Sänger habe das Budget nicht mehr gereicht. Keine richtigen Sänger? Der Intendant hat unter den Technikern und Bühnenbildnern gefragt, wer früher im Schulchor gesungen habe. Das war die billigste Lösung. Und eigentlich hätten die das doch ganz gut gemacht, oder etwa nicht?

Das klingt absurd? Aber es wird noch absurder. Am nächsten Tag steht eine vernichtende Kritik in der Tageszeitung. Die Zuschauer bleiben weg, die Oper ist auf der ganzen Linie durchgefallen. Wie reagiert nun der Intendant? Engagiert er endlich eine professionelle Truppe? Nein, denn er denkt sich: „Das ist der endgültige Beweis. Es lohnt sich eben nicht, für Gesang Geld auszugeben.“

Auf der Bühne wie im richtigen Leben …

Eine merkwürdige Geschichte, oder? Doch etwas Ähnliches erleben Texter immer wieder. Die große Opernbühne ist die Website eines Unternehmens. Das neue Stück: ein Produkt, das präsentiert werden soll. In das Design wird viel Geld gesteckt. Denn die Website soll schick und professionell aussehen. Und der Webtext? Oft heißt es dann: Bühne frei für Amateure. Da muss ein Mitarbeiter ran, der vor zwanzig Jahren in der Schule eine Zwei in Deutsch hatte. Und nicht zuletzt gibt es diese Agenturen, die Webtext ab 1,5 Cent pro Wort anbieten. Und wenn solche Texte nicht die gewünschte Wirkung erzielen?  Das gilt dann als der endgültige Beweis, dass Werbetext nicht funktioniert.

Guter Webtext überzeugt Ihre Kunden

Doch das ist natürlich ein Trugschluss. Die wichtigste Frage ist: Was erwarten die Kunden von einer Website? Sie wollen sich informieren und etwas über ein Produkt erfahren. Sie suchen Antworten auf ihre Fragen: Wozu brauche ich das? Was habe ich davon? Lohnt es sich, dafür so viel Geld auszugeben?

Solche Fragen kann auch das schönste Design nicht beantworten. Sondern nur der Text. Um Ihren Kunden zu überzeugen, müssen Sie die richtigen Worte finden. Gute Webtexte zeigen Ihrem Kunden, wer Sie sind, was Sie zu bieten haben und warum er sich für Sie entscheiden soll.

Es ist wie in einem Konzert: Wenn alles zusammenpasst, Bühnenbild, Kostüme, Inszenierung und Gesang – dann ist es ideal. Ein guter Sänger kann aber sogar in Straßenkleidung in einer Garage singen – und er wird das Publikum begeistern. Einem schlechtem Sänger nutzt das schönste Bühnenbild nichts. Und auch die schönste Website überzeugt den Kunden nicht, wenn er keine Antworten auf seine Fragen findet.

Werbetexter können mit Worten verkaufen. Sie schreiben so, dass im Kopf des Kunden ein Bild entsteht. Also, Vorhang auf für die Profis: Sie bringen Ihre Wörter zum Klingen und Ihre Ideen zum Tanzen.

Nicht für jeden geeignet: Minimalismus

Die Welt ist kein Dorf

Zum neuen Jahr wollte ich in der Wohnung ein paar Kleinigkeiten reparieren lassen und habe deshalb auf einer Internetplattform nach einem Handwerker gesucht. Als ich die Angebote durchsah, achtete ich zuerst, beinahe intuitiv, darauf, ob die Anbieter aus der Nähe kamen: Wer sein Geschäft um die Ecke hatte oder zumindest in Frankfurt lebte, kam gleich in die nähere Auswahl. Eine solche Entscheidung läßt sich gewiß nicht rational begründen. Doch auch bei meinen Kunden beobachte ich oft Ähnliches: Die Mehrheit kommt aus Frankfurt und Umgebung. Vielen ist es wichtig, einen Dienstleister persönlich sehen zu können, obwohl ein solches Treffen oft doch nicht zustande kommt. Dateien werden per Mail verschickt, man bespricht alles per Telefon, Skype oder E-Mail.

Daß die Kommunikation sich immer mehr in dem virtuellen Raum verlagert, die Arbeit von Textern oder Webdesignern sogar über hohe Distanz erledigt werden kann, ändert nichts an dem Bedürfnis, anderen zu begegnen. Man möchte Vertrauen gewinnen, bevor man mit jemandem ein Geschäft anbahnt. Man sucht nach etwas Verbindendem, und sei es nur der Wohnort. Die Virtualität des Internet, die unbegrenzten Möglichkeiten, die es bietet, wirken dagegen irritierend: Woher soll man wissen, ob ein Angebot echt und seriös ist, ob der Anbeiter vertrauenswürdig ist, ob er überhaupt exisitiert? Während große Unternehmen viel dafür tun müssen, Kunden an sich zu binden, genießt der Handwerker auf dem Dorf einen unschlagbaren Vorteil. Er gehört zur Gemeinschaft, man kann ihn zufällig auf der Straße treffen, und wenn er nicht ordentlich arbeiten würde, würde es sich herumsprechen. Außerdem ist er unzweifelbar echt.

Überhaupt: das Dorf. Seit etlichen Jahren glorifizieren Medien und Konzerne den Arbeitsnomaden, der stets bereit ist, seine Siebensachen zu packen, seine Freunde und seine Familie zu verlassen und für einen neuen Job ans andere Ende der Welt zu ziehen. Die dazugehörige Ästhetik ist der vom kulturellen Mainstream beschworene Minimalismus. Alles ist reduziert auf Zweckmäßigkeit, Funktionieren, nichts ist mehr da, was einen berührt und ein Gefühl von Zuhausesein entstehen läßt. Auch dies ist, wie die unendlichen Weiten des Netzes, eine Form von Entgrenzung.

Doch die wenigsten entscheiden sich freiwillig für ein solches Leben. Wenn ich an Weihnachten in meinem Heimatdorf bin und mich mit früheren Schulfreundinnen treffe, fühle ich mich wie ein Exot, weil ich in einer 120 Kilometer entfernten Stadt wohne. Ein paar aus dem Jahrgang sind weggezogen, einer soll, was ich jedoch für ein Gerücht halte, Barkeeper in New York geworden sein. Weitaus die meisten sind geblieben. Sie wollten nie Arbeitsnomade mit minimalistisch optimiertem Wohnumfeld sein, sondern dort leben, wo sie aufgewachsen sind, in der Sonne spazierengehen, die Menschen auf der Straße treffen, mit denen sie als Kind schon gespielt haben, mit ihnen Witze machen, in der Nähe der Eltern wohnen, sich im Karnevalsverein engagieren, mit den Kindern in der Dorfkirche in den Kindergottesdienst gehen. Und statt den Besitz zu reduzieren, um beweglicher zu sein, sammeln die meisten lieber unnütze Dinge, die ihnen gefallen – ich denke da an meine weder umzugstaugliche noch sonderlich wertvolle Sammlung alter Porzellantassen. Zum Leben gehören eben Bindung, Gewohnheit, Gemeinschaft und der Wunsch nach Überfluß. Daran ändert auch die moderne Arbeitswelt nichts.

Mathematik, einfach erklärt

Kann man das überhaupt, Mathematik einfach und anschaulich erklären? Möglich ist es, aber es gelingt natürlich nicht jedem. Zwei Beispiele, wie man mathematische Inhalte hervorragend vermitteln kann, möchte ich kurz vorstellen.

Einmal den Brückenkurs Mathematik von Guido Walz, Frank Zeilfelder und Thomas Rießinger. Die drei Professoren richten sich an „Studieneinsteiger aller Disziplinen“ und stellen auf 360 Seiten den Oberstufenstoff dar. Das Buch behandelt zunächst die elementaren Rechenmethoden, dann folgen Kapitel über Funktionen, Gleichungen und Ungleichungen, Geometrie, Lineare Algebra, Differenzial- und Integralrechnung, Wahrscheinlichkeitsrechnung und komplexe Zahlen. Der Brückenkurs Mathematik ist gut geeignet für alle, die ihre Mathematikkenntnisse auffrischen wollen, sich lange nicht mehr mit Mathematik beschäftigt haben oder sogar ein bisschen Angst davor haben. Denn das Buch ist einfach geschrieben und hervorragend didaktisch aufbereitet. Der lockere und freundliche Plauderton der Autoren macht es zu einer angenehmen und sogar spannenden Lektüre. Die Übungsaufgaben sind auch für Ungeübte lösbar und motivieren den Leser, am Ball zu bleiben. 

Jörn Loviscach, Professor an der FH Bielefeld, nutzt ein anderes Medium: Er stellt auf YouTube Videos seiner Vorlesungen ein. Mit seinem Talent zu erklären ist Professor Loviscach sicher eine Ausnahmeerscheinung: So kann es passieren, dass einem nach einem fünfminütigen Video Zusammenhänge klarwerden, die man vorher sein Leben lang nicht verstanden hat. In den Diskussionen zu den Videos meldet sich Professor Loviscach immer wieder zu Wort. Da fühlt man sich tatsächlich wie in einer Vorlesung. Zugleich sieht man, was die neuen Medien alles leisten können, wenn sie nur richtig eingesetzt werden: Bildung wird so für jeden frei verfügbar. Ich hoffe, dass dieses Beispiel Schule macht.

Unverzichtbare, schöne, viel zu wenig geliebte Mathematik

Mathematik ist nur was für Genies, Zahlen und Gleichungen sind furchteinflößend, und ein Mathematiker ist sicher kein geborener Entertainer. So denken viele, das Fach hat einfach kein gutes Image. Wenn man sich an die eigene Schulzeit erinnert, weiß man auch, warum: Wer einmal den Anschluss verpasst hat, versteht nur noch Bahnhof. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass die Angst vor Mathematik körperliche Schmerzen verursachen könne. 

Noch dazu ist Mathematik anstrengend. Mathematische Fachbücher muss man sich mühsam erarbeiten. Es gibt nichts zu diskutieren, keinen Platz für subjektive Eindrücke. Die Forschungsergebnisse sind nur für einen kleinen Kreis Eingeweihter verständlich. Und persönlich kann man mit Mathematik auch gar nicht viel anfangen, im Alltag genügen meist die Grundrechenarten und ein bisschen Prozentrechnen. Ein mathematischer Themenabend in einer Bildungsakademie? Das wäre ein gewagtes Projekt. Lieber versucht man es mit der Philosophie: Die ist zwar auch hochabstrakt und hat mit der Logik sogar einen Überschneidungsbereich mit der Mathematik. Doch sie behandelt die großen Fragen nach dem Sinn und dem Sein, die für jeden wichtig sind. Überhaupt: Womit beschäftigt sich die Mathematik eigentlich? Mit Zahlen und Raum, abstrakten Strukturen? Im Grunde doch nur mit sich selbst. Und trotzdem steckt Mathematik überall drin. In jeder technischen Errungenschaft. Natur- oder Ingenieurwissenschaften ohne Mathematik? Undenkbar.

Die Sprache der Mathematik

Ich gebe zu: Mich fasziniert Mathematik. Es geht mir nicht um ihren praktischen Nutzen, der ohnehin außer Frage steht. Sondern um ihre Schönheit. Ich arbeite mit Sprache. Ich bewundere die lateinische Sprache wegen ihrer Logik und Klarheit. Ich liebe die reiche und mit ihren vielen Ausnahmen so verwirrende deutsche Sprache, in der man Wörter kombinieren kann („Donaudampfschiffahrtskapitän“) und in der man so präzise denken kann. Und ich liebe die Sprache und die Notation der Mathematik, diese zunächst unbegreiflich wirkende, strenge, formale Sprache.

Schön können auch mathematische Beweise sein. Wenn man sie verstanden hat, ist man meist überrascht über ihre Klarheit. Wer sich in der Schulzeit mit Mathematik gequält hat, mag solche Gedanken abseitig finden. So ging es mir auch, aber dann habe ich der Mathematik eine zweite Chance gegeben. Das war gar nicht so schwer. Das wichtigste Buch war dabei für mich der Brückenkurs Mathematik von Guido Walz,  Frank Zeilfelder und Thomas Rießinger. Dazu hier mehr.