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Alle Jahre wieder: Spenden statt schenken

Die Weihnachtsbriefe flattern langsam wieder ins Haus. Viele Unternehmen entscheiden sich, ihren Kunden nichts zu Weihnachten zu schenken und stattdessen für eine gute Sache zu spenden. Dies scheint sich sogar zu einer neuen Tradition entwickelt zu haben: Inzwischen bekommt man Dutzende Weihnachtsbriefe, in denen solche Ankündigungen gemacht werden.

Und eigentlich ist das doch auch ein liebenswerter Einfall, oder? Ein einfacher Weg, Gutes zu tun, gleichzeitig die Kunden zu beeindrucken und Verantwortungsbewusstsein zu demonstrieren. Doch mittlerweile hat diese Idee schon ein wenig an Glanz verloren.

Wenn soziales Engagement auf diese Weise demonstriert wird, reagiere ich mittlerweile gelangweilt. Und manchmal frage ich mich, ob die Sache wirklich so uneigennützig ist, wie sie scheint. Und sicher geht es nicht nur mir so.

Spenden bedeutet Verzicht

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich sollen Unternehmen spenden, und zwar großzügig. Und wenn das Geld, das für Kundengeschenke vorgesehen war, umgewidmet wird, dient es auf alle Fälle einem guten Zweck. Doch Spenden bedeutet Verzicht. Es bedeutet nicht, anderen etwas vorzuenthalten, und sei es ein Kundengeschenk.

Nur vordergründig großzügig

Wenn ein Unternehmen spendet statt schenkt, verzichtet nur der Kunde. Es wird ein Betrag verwendet, der sowieso schon eingeplant war – zusätzliche Kosten entstehen nicht. Im Gegenteil, das Unternehmen selbst profitiert sogar: Denn es ist viel aufwendiger und zeitintensiver, viele kleine Päckchen zu versenden, als eine Spendenüberweisung auszufüllen. Als ich zuletzt einen solchen Brief gelesen habe, habe ich mich spontan gefragt: Warum verzichtet das Unternehmen stattdessen nicht auf die Weihnachtsfeier? Da würde ja auch ein schöner Betrag zustande kommen.

Was noch hinzukommt: Ich als Kunde werde nicht gefragt, ob ich mein Weihnachtsgeschenk spenden will. Ich darf nicht mitreden. Trotzdem soll ich dem Unternehmen wegen seiner Großzügigkeit auf die Schulter klopfen. Nicht zuletzt ist das Ganze ja auch eine PR-Aktion – was der Empfänger des Briefes merkt. Und worauf er manchmal durchaus verstimmt reagiert.

Für mich haben solche Briefe inzwischen einen merkwürdigen Beigeschmack. Ich habe gar nichts dagegen, wenn Unternehmen auf ihre Spendenaktivitäten hinweisen. „Tue Gutes und rede darüber“ ist nicht unbedingt ein schlechtes Motto. Doch es gefällt mir nicht, wenn das auf diese Weise geschieht.

Besser: Spenden verdoppeln

Wenn ein Unternehmen keine Weihnachtsgeschenke verschickt, genügt eigentlich ein schlichter Weihnachtsgruß. Und wenn dabei zum Beispiel ein Projekt vorgestellt wird, für das es sich zu spenden lohnt – dann freue ich mich. Um so mehr, wenn der Absender sich außerdem bereiterklärt, die Spenden der Kunden zu verdoppeln. Weil das Unternehmen so zeigt, dass es mit mir gemeinsam Gutes tun will. Als Partner. Und weil es sich in meine Hände begibt: Wie viel es spendet, hängt nämlich auch von mir ab. Dass aus fünfzig gespendeten Euro hundert Euro werden, ist außerdem eine sehr schöne Erfahrung: Denn die Spende erzielt doppelte Wirkung. Ein Unternehmen, das so vorgeht, gewinnt schnell meine Sympathie: Weil es mir hilft, mit meinem Geld etwas Gutes zu bewirken.