Alle Artikel in der Kategorie “Werbung

Kommentare 0

Warum Flyer oft wirkungslos sind

Tobi und Robert haben einen Computerreparatur-Service. Doch in letzter Zeit bleiben die Kunden aus. Um die Auftragslage wieder anzukurbeln, lassen sie einen Flyer erstellen. Und der ist gar nicht mal so schlecht, denn sie haben viel richtig gemacht:

 

  • Der Text beschreibt deutlich, was das Besondere an ihren Dienstleistungen ist und warum sie mehr zu bieten haben als die Konkurrenz. Außerdem hat der Text griffige Überschriften, die die Aufmerksamkeit der Leser wecken.
  • Der Text wurde mit Bildern aufgelockert. Und es gibt genug weiße Räume, damit die Inhalte wirken können. Denn wenn ein Flyer bis obenhin mit Text gefüllt ist, schreckt das die Leser ab.
  • Der Flyer enthält Zitate zufriedener Kunden, was die Glaubwürdigkeit des Angebots erhöht.
  • Tobi und Robert haben nicht ihre ganze Palette beworben, sondern nur eine einzelne Leistung: ihren PC-Notdienst für Privatkunden.
  • Natürlich haben sie verschiedene Kontaktmöglichkeiten aufgeführt: Telefon, E-Mail, Website und sogar eine Handy-Nummer für Notfälle.
  • Das Papier, das sie gewählt haben, ist qualitativ hochwertig.
  • Der Flyer wurde von einem Lektor gegengelesen — denn Rechtschreibfehler würden ihn sofort unprofessionell wirken lassen.
  • Und nicht zuletzt haben Tobi und Robert einen 10-Prozent-Gutschein für Neukunden in den Flyer integriert.

 

Kurzum: Auf das Ergebnis können die beiden stolz sein. Nun müssen sie ihren Flyer nur noch unter die Leute bringen. Sie fragen in Geschäften und Restaurants, ob sie ihn auslegen dürfen: im Sonnenstudio zum Beispiel und in der Wäscherei, beim Italiener und in der Szenekneipe, an der Tankstelle und in der Schneiderei. Sie sind außerdem zwei Tage lang unterwegs, um den Flyer in Briefkästen zu werfen.

 

Wie war nun die Resonanz dieser aufwendigen Werbeaktion? Leider enttäuschend. Tobi und Robert bekamen Post von zwei Druckereien, die ihnen ihre Dienste anboten. Ein potentieller Kunde rief sie an, fragte ihre Preise ab und meldete sich nie wieder.

 

Wieso sind die beiden mit ihrem Flyer, der nach allen Regeln der Kunst erstellt war, also gescheitert?

 

Die richtige Zielgruppe finden

Das liegt daran, dass sie sich die wichtigsten Fragen nicht gestellt hatten: Wer ist unsere Zielgruppe und wo können wir sie erreichen? Auf welchen Wegen suchen mögliche Kunden nach uns?

 

Denn das Wichtigste an einem Flyer ist, dass er die richtigen Leute erreicht. Egal, was man anbietet: Die Zielgruppe ist immer begrenzt.

 

Die Privatkunden von Tobi und Robert besitzen natürlich alle einen Computer. Und zwar einen, der ihnen gerade Probleme bereitet. Außerdem wollen oder können sie sich damit nicht an das Fachgeschäft wenden.

 

Doch wo sucht man nach einem Reparaturdienst, wenn man gerade Computerprobleme hat? Die wenigsten Kunden bewahren Werbeflyer, die sie irgendwann bekommen haben, auf. Und es ist unwahrscheinlich, dass  gerade im richtigen Moment ein Flyer in den Briefkasten flattert. Also schaut man  erst einmal bei Google.

 

Das alles erklärt, warum Tobis und Roberts Flyer keine Wirkung erzielt hat. Das Beispiel ist natürlich fiktiv, aber Ähnliches haben schon viele Unternehmer erlebt.

 

Denn Flyer gehören zu den Werbemitteln mit den höchsten Streuverlusten. Ein wichtiger Grund dafür ist die unzureichende Zielgruppenabgrenzung.

 

Wie erreicht man die Zielgruppe?

An die richtige Zielgruppe kommt man nicht heran, indem man Flyer wahllos in Briefkästen steckt oder in Geschäften in der Umgebung auslegt. Ohnehin ist ein Flyer nicht das beste Mittel für die Ansprache von Neukunden. Eine eigene Website, Empfehlungsmarketing oder die aktive Pflege von Netzwerken sind meist wirksamer.

 

Dennoch kann ein Flyer sinnvoll sein, wenn man ihn am richtigen Ort anbietet — zum Beispiel in Geschäften, in denen die Zielgruppe einkauft: Wenn Sie Gemüsekisten-Abos anbieten, könnten Sie Ihren Flyer in einem veganen Restaurant oder einem Biosupermarkt auslegen. Der Betreiber einer Tierpension könnte in Zoogeschäften oder Tierarztpraxen nachfragen.

 

Flyer können außerdem nützlich sein, wenn sie andere Werbemaßnahmen ergänzen: Wenn Sie auf einer Veranstaltung Ihr Angebot oder Ihr Wissen präsentieren, können Sie Ihre Teilnehmer so auf Ihre Leistungen aufmerksam machen. Die Teilnehmer konnten sich ja bereits ein Bild von Ihnen machen — wenn Sie sie überzeugt haben, nehmen sie gerne einen Flyer mit und setzen sich mit Ihrem Angebot auseinander.

 

Bevor Sie sich für einen Flyer entscheiden, sollten Sie sich also folgende Fragen stellen:
  • Wer ist die Zielgruppe? Je kleiner sie ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich andere Maßnahmen besser auf sie abstimmen lassen.
  • Über welche Wege nehmen Kunden Kontakt mit Ihnen auf? Lässt sich die Zielgruppe überhaupt von Flyern ansprechen?
  • Lässt sich mit dem gleichen Budget eine wirksamere Werbemaßnahme realisieren?

 

Ein Flyer kann nützlich sein, wenn er bei Ihrer Zielgruppe ankommt. Doch oft erreichen Sie mit anderen Werbemaßnahmen mehr.

Kommentare 0

Alle Jahre wieder: Spenden statt schenken

Die Weihnachtsbriefe flattern langsam wieder ins Haus. Viele Unternehmen entscheiden sich, ihren Kunden nichts zu Weihnachten zu schenken und stattdessen für eine gute Sache zu spenden. Dies scheint sich sogar zu einer neuen Tradition entwickelt zu haben: Inzwischen bekommt man Dutzende Weihnachtsbriefe, in denen solche Ankündigungen gemacht werden.

Und eigentlich ist das doch auch ein liebenswerter Einfall, oder? Ein einfacher Weg, Gutes zu tun, gleichzeitig die Kunden zu beeindrucken und Verantwortungsbewusstsein zu demonstrieren. Doch mittlerweile hat diese Idee schon ein wenig an Glanz verloren.

Wenn soziales Engagement auf diese Weise demonstriert wird, reagiere ich mittlerweile gelangweilt. Und manchmal frage ich mich, ob die Sache wirklich so uneigennützig ist, wie sie scheint. Und sicher geht es nicht nur mir so.

Spenden bedeutet Verzicht

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich sollen Unternehmen spenden, und zwar großzügig. Und wenn das Geld, das für Kundengeschenke vorgesehen war, umgewidmet wird, dient es auf alle Fälle einem guten Zweck. Doch Spenden bedeutet Verzicht. Es bedeutet nicht, anderen etwas vorzuenthalten, und sei es ein Kundengeschenk.

Nur vordergründig großzügig

Wenn ein Unternehmen spendet statt schenkt, verzichtet nur der Kunde. Es wird ein Betrag verwendet, der sowieso schon eingeplant war – zusätzliche Kosten entstehen nicht. Im Gegenteil, das Unternehmen selbst profitiert sogar: Denn es ist viel aufwendiger und zeitintensiver, viele kleine Päckchen zu versenden, als eine Spendenüberweisung auszufüllen. Als ich zuletzt einen solchen Brief gelesen habe, habe ich mich spontan gefragt: Warum verzichtet das Unternehmen stattdessen nicht auf die Weihnachtsfeier? Da würde ja auch ein schöner Betrag zustande kommen.

Was noch hinzukommt: Ich als Kunde werde nicht gefragt, ob ich mein Weihnachtsgeschenk spenden will. Ich darf nicht mitreden. Trotzdem soll ich dem Unternehmen wegen seiner Großzügigkeit auf die Schulter klopfen. Nicht zuletzt ist das Ganze ja auch eine PR-Aktion – was der Empfänger des Briefes merkt. Und worauf er manchmal durchaus verstimmt reagiert.

Für mich haben solche Briefe inzwischen einen merkwürdigen Beigeschmack. Ich habe gar nichts dagegen, wenn Unternehmen auf ihre Spendenaktivitäten hinweisen. „Tue Gutes und rede darüber“ ist nicht unbedingt ein schlechtes Motto. Doch es gefällt mir nicht, wenn das auf diese Weise geschieht.

Besser: Spenden verdoppeln

Wenn ein Unternehmen keine Weihnachtsgeschenke verschickt, genügt eigentlich ein schlichter Weihnachtsgruß. Und wenn dabei zum Beispiel ein Projekt vorgestellt wird, für das es sich zu spenden lohnt – dann freue ich mich. Um so mehr, wenn der Absender sich außerdem bereiterklärt, die Spenden der Kunden zu verdoppeln. Weil das Unternehmen so zeigt, dass es mit mir gemeinsam Gutes tun will. Als Partner. Und weil es sich in meine Hände begibt: Wie viel es spendet, hängt nämlich auch von mir ab. Dass aus fünfzig gespendeten Euro hundert Euro werden, ist außerdem eine sehr schöne Erfahrung: Denn die Spende erzielt doppelte Wirkung. Ein Unternehmen, das so vorgeht, gewinnt schnell meine Sympathie: Weil es mir hilft, mit meinem Geld etwas Gutes zu bewirken.