Was macht einen Roman zu einem guten Roman?
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8 Vorurteile über das Texten

1. Eigentlich müsste ich meine Texte selbst schreiben.

Schreiben lernt man schon in der Schule. Außerdem wurden sicher nie so viele Texte veröffentlicht wie heute, im Internetzeitalter. Man postet auf Facebook, verfasst oder kommentiert Beiträge, schreibt Mails … Da kann es doch auch keine große Kunst sein, die Texte für die eigene Website oder eine Broschüre selbst zu schreiben. Auf diese Weise kann man sich die Kosten für den Texter sparen. Diese Vorstellung ist leider immer noch weit verbreitet – dabei ist sie ebenso falsch wie gefährlich.

Natürlich ist Schreiben eine Grundfertigkeit, die jeder beherrschen sollte. Doch um professionelle Texte zu schreiben, braucht man sehr viel Wissen, Können und Übung. Das wird leider oft unterschätzt. Denn es genügt ja nicht, bloß die wichtigsten Informationen zusammenzustellen. Sondern man muss sie auch spannend darstellen, damit der Text den Lesern gefällt. Und das gelingt nur, wenn man sehr viel Erfahrung mit dem Schreiben hat.

Es stimmt auch, dass heute viel geschrieben wird. Gerade deshalb kann man sich aber nur durch Qualität abheben: Wenn der Inhalt einer Website nicht ansprechend ist, klickt der Besucher sie schnell weg. Denn es gibt wahrscheinlich hundert andere mit ähnlichen Inhalten. Nur mit guten und individuellen Texten kann man den Leser dazu bringen, weiterzulesen. Noch dazu sind schlechte Texte nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich: Denn ungeschickte Formulierungen, schwer verständliche Bandwurmsätze, langatmiges Amtsstubendeutsch und Rechtschreib- oder Kommafehler wirken unprofessionell. Selbstüberschätzung ist in diesem Fall also gefährlich.

Doch oft steckt gar nicht Selbstüberschätzung dahinter, wenn ein Unternehmer denkt, er müsste seine Texte selbst schreiben. Manchmal rufen mich Kunden an, denen es regelrecht peinlich ist, dass sie das nicht hinbekommen. Das ist natürlich nicht nötig: Schließlich ist es auch niemandem peinlich, sein Auto nicht selbst reparieren zu können oder sich nicht selbst eine Zahnfüllung machen zu können. Viele wissen einfach nicht, wie viel Übung und professionelle Kenntnisse erfahrene Texter haben. Auch beim Schreiben gibt es eben Laien und Profis. Ebenso wie beim Reden: Das kann auch jeder, und dennoch gibt es professionelle Redner ebenso wie Redenschreiber – und zwar aus gutem Grund.

2. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das selbst schreiben.

Ja, aber nur, wenn Sie selbst Texter sind.  Ein Webdesigner, Coach, Arzt oder Handwerker versteht sich sicher hervorragend auf seine Profession – aber wie ein Profi schreiben kann er natürlich nicht. Und selbst wenn er es schafft, seine Gedanken irgendwie zu Papier zu bringen: Ein professioneller Text ist das nicht. Texte schreibt man nicht einfach schnell herunter. Man plant sie systematisch, man konstruiert sie. Und damit komme ich zum nächsten Vorurteil:

3. Schreiben ist einfach und geht schnell.

Schön wär’s. Manche denken, Texter haben  unter der Dusche eine Inspiration und brauchen diese dann bloß zu Papier zu bringen … In Wirklichkeit muss man oft stunden- oder tagelang am Schreibtisch brüten. Und wenn dabei ein Text herauskommen soll, der locker und kreativ klingt – dann dauert es umso länger.

Texten ist kein einfacher Job und man verdient sein Geld nicht mit genialen Einfällen. Es kostet viel Zeit und erfordert Anstrengung. Bevor ein Texter mit dem Schreiben loslegt, muss er erst recherchieren und Informationen sammeln. So entstehen Ideen für den Text – und dann erst beginnt die Suche nach der passenden Formulierung. Es ist ein langwieriger Prozess, der für Außenstehende schwer durchschaubar ist. Aber anders geht es nicht. Denn eine feste Anleitung fürs Texten gibt es nicht. Und damit schließt sich Vorurteil Nummer 4 an:

4. Texte kann man nach einem festen Muster erstellen.

Wenn das so wäre, gäbe es schon jede Menge DIY-Videos auf YouTube. So ist es aber nicht. Natürlich gibt es objektive Kriterien für gute Texte, die ein Profi kennen muss. Und es gibt sogar Verfahren, mit denen man die Wirkung von Texten untersuchen kann.

Doch damit Texte wirken, muss noch mehr dazukommen. Ein Texter muss erfassen können, was das Besondere an einem Unternehmen oder Produkt ist. Und er muss die richtigen Worte finden. Er muss auch wissen, welcher Tonfall für die Zielgruppe der richtige ist: Denn 18-Jährige sprechen eine andere Sprache als 60-Jährige.

Das ist alles keine Zauberei, sondern ein kreativer Prozess. Und dafür braucht man neben Wissen auch Talent und Erfahrung. Und einen besonderen Blick auf die Dinge.

Nicht jeder kann zu einem guten Texter werden. Ebenso wenig wie jeder Dressurreiter, Fotograf oder Versicherungsmathematiker sein könnte. Und das ist auch gut so: Schließlich soll jeder das tun, wozu er bestimmt ist und was seiner Begabung entspricht.

5. Texter brauchen vor allem Gefühle und Inspiration.

Nein, man braucht vor allem Können, Wissen und Erfahrung. Und Konzentrationsfähigkeit und die Bereitschaft, lange am Schreibtisch zu arbeiten. Die Inspiration kommt dazu. Vielleicht. Und oft erst nach langem Nachdenken. Und Gefühle? Man sollte es vielleicht besser Kreativität nennen oder Vorstellungsvermögen. Aber auch das kommt nicht von allein, man muss es sich erst erarbeiten.

6. Das merkt doch niemand, dass ich den Text selbst geschrieben habe.

Leider doch. Natürlich können die meisten Leser nicht erkennen, ob der Text nach allen Regeln der Kunst geschrieben ist und die Merkmale enthält, die ein Profi-Text haben sollte. Was sie aber durchaus einschätzen können, ist die Gesamtwirkung. Für schiefe Töne hat auch ein ungeübter Leser ein Gespür. Er kann zwar nicht erklären, warum der Text nicht gut klingt – aber dass er nicht gut klingt, merkt er. Und dann zweifelt er womöglich an der Professionalität des Anbieters.

7. Gute Texte dürfen nicht viel kosten.

Texten ist zeitaufwendig. Deshalb sind gute Texte nicht für ein paar Cent pro Wort zu bekommen. Dennoch denken manche Auftraggeber, dass sie für einen zweistelligen Betrag einen professionellen Texter beauftragen können. Das ist freilich eine absurde Idee. Denn ein Selbständiger, der sich am Markt halten will, muss vernünftig kalkulieren. Und für ein Taschengeld bekommt man nun mal keinen Experten, der lange Jahre an der Universität verbracht und sich danach noch weiter spezialisiert hat. Wie sein Honorar zustande kommt, kann Ihnen Ihr Texter natürlich erklären. Denn ein Profi kann den Aufwand meist ziemlich genau einschätzen.

8. Ich weiß nicht, welchen Texter ich beauftragen soll. Am besten verlange ich erst kostenlose Probetexte.

Jeder hätte gerne Sicherheit, bevor er sich für einen Dienstleister entscheidet. Doch wenn Ihnen ein Texter tatsächlich einen kostenlosen Probetext anbietet, sollte Sie das eher misstrauisch machen. Denn jemand, der etwas von seinem Fach versteht, wird sicher nicht für jeden neuen Kunden erst einmal umsonst arbeiten. Beim Bäcker bekommt man auch kein Probebrötchen – obwohl das noch nicht mal einen Euro kosten würde.

Um einen kurzen Probetext zu schreiben, bräuchte ein Texter normalerweise mindestens eine Stunde – das wäre ein teures Geschenk. Ein Texter, der sich darauf einlässt, schätzt den Wert seiner eigenen Leistung zu niedrig ein – und ist daher auch kein professioneller Geschäftspartner. Wenn man unsicher ist, kann man natürlich erst einmal einen kleinen Auftrag vereinbaren. Oder einen bezahlten Probetext.

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