Unverzichtbare, schöne, viel zu wenig geliebte Mathematik

Mathematik ist nur was für Genies, Zahlen und Gleichungen sind furchteinflößend, und ein Mathematiker ist sicher kein geborener Entertainer. So denken viele, das Fach hat einfach kein gutes Image. Wenn man sich an die eigene Schulzeit erinnert, weiß man auch, warum: Wer einmal den Anschluss verpasst hat, versteht nur noch Bahnhof. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass die Angst vor Mathematik körperliche Schmerzen verursachen könne. 

Noch dazu ist Mathematik anstrengend. Mathematische Fachbücher muss man sich mühsam erarbeiten. Es gibt nichts zu diskutieren, keinen Platz für subjektive Eindrücke. Die Forschungsergebnisse sind nur für einen kleinen Kreis Eingeweihter verständlich. Und persönlich kann man mit Mathematik auch gar nicht viel anfangen, im Alltag genügen meist die Grundrechenarten und ein bisschen Prozentrechnen. Ein mathematischer Themenabend in einer Bildungsakademie? Das wäre ein gewagtes Projekt. Lieber versucht man es mit der Philosophie: Die ist zwar auch hochabstrakt und hat mit der Logik sogar einen Überschneidungsbereich mit der Mathematik. Doch sie behandelt die großen Fragen nach dem Sinn und dem Sein, die für jeden wichtig sind. Überhaupt: Womit beschäftigt sich die Mathematik eigentlich? Mit Zahlen und Raum, abstrakten Strukturen? Im Grunde doch nur mit sich selbst. Und trotzdem steckt Mathematik überall drin. In jeder technischen Errungenschaft. Natur- oder Ingenieurwissenschaften ohne Mathematik? Undenkbar.

Die Sprache der Mathematik

Ich gebe zu: Mich fasziniert Mathematik. Es geht mir nicht um ihren praktischen Nutzen, der ohnehin außer Frage steht. Sondern um ihre Schönheit. Ich arbeite mit Sprache. Ich bewundere die lateinische Sprache wegen ihrer Logik und Klarheit. Ich liebe die reiche und mit ihren vielen Ausnahmen so verwirrende deutsche Sprache, in der man Wörter kombinieren kann („Donaudampfschiffahrtskapitän“) und in der man so präzise denken kann. Und ich liebe die Sprache und die Notation der Mathematik, diese zunächst unbegreiflich wirkende, strenge, formale Sprache.

Schön können auch mathematische Beweise sein. Wenn man sie verstanden hat, ist man meist überrascht über ihre Klarheit. Wer sich in der Schulzeit mit Mathematik gequält hat, mag solche Gedanken abseitig finden. So ging es mir auch, aber dann habe ich der Mathematik eine zweite Chance gegeben. Das war gar nicht so schwer. Das wichtigste Buch war dabei für mich der Brückenkurs Mathematik von Guido Walz,  Frank Zeilfelder und Thomas Rießinger. Dazu hier mehr. 

Rätselhafte Extrovertierte

In letzter Zeit sind wir zu Trendsettern geworden, obwohl es viele von uns gar nicht mögen, wenn man sie ins Rampenlicht zerrt. Es gibt Bücher über uns und Titelgeschichten von Zeitschriften. Wir, die Introvertierten. Die Stillen, Nachdenklichen, Unverstandenen, die nicht selten leise im Hintergrund arbeiten und das sogar gerne tun.

Das Wort „introvertiert“ begegnete mir zum ersten Mal, als 13 war – ich hatte gerade mein Interesse an Psychologie entdeckt. In der Beschreibung erkannte ich mich sofort wieder, sie half mir, mich selbst besser zu verstehen. Später erfuhr ich, daß dieser Begriff für viele einen negativen Beigeschmack hat. Und noch immer halten die meisten Extraversion für normal, Introversion für die Abweichung, auch wenn, wie ich in letzter Zeit oft gelesen habe, der Anteil Introvertierter bei 30–50 Prozent liegen soll. Und im Grunde auch gar nichts Spektakuläres dahintersteckt, wie mein eigenes Beispiel sicher zeigt: Ich denke viel nach, lese viel, ziehe ungern in einem großen Pulk abends durch die Stadt, liebe intensive Gespräche zu zweit oder dritt und würde nie eine Gruppenreise machen. Ich bin kein Nerd, gebe gerne Unterricht und kann gut Vorträge halten und Gespräche moderieren. Und ich weiß, daß ich mich als Introvertierte in guter Gesellschaft befinde, mit Leuten wie Günther Jauch oder Bill Gates.

Als im letzten Jahr einige Bücher über Introversion erschienen,  habe ich mich zunächst gefreut. Ich spreche von folgenden Titeln:

 

Alle drei sind gute, informative, kenntnisreiche Bücher, aus denen ich viel gelernt habe. Und doch würde ich mir mal einen Ratgeber wünschen, der das Verhalten der Extrovertierten erklärt. Geschrieben aus der Perspektive der Introvertierten. Denn die einen wirken auf die anderen genauso rätselhaft wie umgekehrt.

Ich habe mich zum Beispiel immer darüber gewundert:

… wieso es extrovertierten Menschen gelingt, sich ohne lange zu überlegen zu allen möglichen Fragen zu äußern. Bei Devora Zack las ich, daß sie ihre Gedanken beim Reden formen können. Also: Introvertierte denken erst, reden dann, bei Extrovertierten geht beides gleichzeitig. Ich gebe zu, das finde ich beneidenswert.

… wieso Extrovertierte nicht müde werden, wenn sie die ganze Nacht mit vielen Menschen zusammen feiern. Sylvia Löhken erklärt, daß Extrovertierte ihre Kräfte zurückgewinnen, wenn sie mit anderen Menschen zusammen sind, Introvertierte hingegen, wenn sie allein sind. Das entspricht meinen Erfahrungen. Ich unternehme gerne etwas mit anderen Leuten, brauche zum Erholen aber  Zeit für mich. Durch das Alleinsein gewinne ich neue Energie.

…  wieso für Extrovertierte die Reaktionen ihrer Umwelt so wichtig sind. Ich glaube, das hat damit zu tun, daß sie stark nach außen gewandt sind und daher mehr Reize und Eindrücke und mehr Austausch brauchen. Bei Gruppenarbeiten blühen sie auf, sie entsprechen ihrem Wesen. Introvertierte arbeiten oft lieber länger allein an einer Sache, bevor sie sich mit anderen über die Ergebnisse austauschen.

Es mag vielleicht aussehen, als stammten Introvertierte und Extrovertierte von verschiedenen Planeten (ich glaube, Devora Zack benutzt dieses Bild). Doch eigentlich ist es nicht schwer, den anderen zu verstehen – man darf nur nicht davon ausgehen, daß jeder so tickt wie man selbst. Doch genau darin scheint eine besondere Herausforderung zu liegen: Vor allem in der Arbeitswelt wird Extraversion als Normalfall oder sogar als Ideal dargestellt. Die spezifischen Fähigkeiten Extrovertierter  werden von allen eingefordert. Wenn dies dazu führt, daß Introvertierte sich verstellen müssen, finden sie nicht den Raum, ihre Fähigkeiten auszuleben. Das Ideal sollte daher nicht Extraversion heißen, sondern ausgewogen beide Seiten zu berücksichtigen.

Was macht einen Roman zu einem guten Roman?
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Was macht einen guten Roman aus?

Ich bekomme oft Anfragen von Autoren, die ihre Lebensgeschichte niedergeschrieben haben. Da sie einiges verschleiert haben, eventuell die Handlung in eine andere Stadt verlegt und sich selbst in dem Text einen anderen Namen gegeben haben, sprechen sie oft von einem „Roman“, für den sie einen Verlag suchen. Ein Anliegen, das durchaus nachvollziehbar ist: Denn wo verläuft eigentlich die Grenzlinie zwischen einem biographischen und einem literarischen Text?

Auf den ersten Blick sieht die Sache eindeutig aus: Eine Lebensgeschichte ist kein Roman, auch dann nicht, wenn man seinen Protagonisten, also die eigene Person, im Text Otto Edelherz nennt, obwohl man Friedrich Großhand heißt. Doch ganz so einfach ist es nicht: Kaum ein Roman kommt ohne biographische Anteile aus. Man denke nur an die Buddenbrooks. Und was ist mit Hybridgattungen wie biographischen Romanen oder fiktionalen Biographien, die es doch auch gibt?

Ich möchte nicht mit Begriffen langweilen, sondern einfach zwei Merkmale nennen, die viele gute Romane aufweisen:

– Sie sind exemplarisch für ihre Zeit, zeigen die herrschenden Stimmungen, den Zeitgeist. Auch hier sind die Buddenbrooks das beste Beispiel, diese Seelengeschichte des protestantischen Bürgertums, die zugleich ein weiteres wichtiges Kennzeichen enthält:

– Sie nehmen Stimmungen vorweg, drücken Ahnungen aus, die sich erst später als richtig erweisen. Der Autor hat also ein Gespür für Dinge, die „in der Luft liegen“. Wie Thomas Mann, der mit den Buddenbrooks einen Abgesang auf die Welt schrieb, in der er selbst noch verwurzelt war.

Dass dies die wenigsten Bücher leisten können, seien sie biographisch motiviert oder nicht, liegt auf der Hand. Niemanden möge dies vom Schreiben abhalten. Doch möge auch niemand enttäuscht sein, wenn kein Verleger in einer niedergeschriebenen Lebensgeschichte Bestsellerqualitäten erkennen will.

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Seien Sie ein Dilettant!

Der Begriff Dilettantismus wird heute meist ausgesprochen negativ bewertet: Ein Dilettant ist ein Nichtfachmann, ein Pfuscher, das Gegenteil eines Künstlers. Schöner ist die Definition von Goethe und Schiller: Der Dilettant sei, schrieben sie in einem gemeinsam verfassten Fragment, „ein Liebhaber der Künste, der nicht allein betrachten und genießen, sondern auch an ihrer Ausübung Teil nehmen will“ (Goethe/Schiller, Über den Dilettantismus). Eine ausgesprochen positive Bewertung also: Der Dilettant ist ein Liebhaber und übt eine Kunst aus. Doch was unterscheidet ihn vom Berufskünstler? Kenntnis? Können? Schwer zu sagen. Dass er in der Regel ein Autodidakt ist? Das sind die meisten Schriftsteller auch. Oder dann doch der Zeitaufwand? Und damit letztlich die Frage, ob mit der Kunst der Lebensunterhalt bestritten werden kann? Doch wäre dann fast jeder Schriftsteller heute ein Dilettant: Denn von den niedrigen Verlagstantiemen kann ohnehin niemand leben.

Und ohne kunstinteressierte Dilettanten könnten auch die Berufskünstler einpacken: weil ihnen der wichtigste Teil ihres Publikums abhanden käme.

Wie dem auch sei: Ein Dilettant hat Interesse an der Kunst und versucht sich in ihr, und dies ist mehr als anerkennenswert.  Wichtig ist doch vor allem die Freude, etwas zu erschaffen. Und die hängt weder vom Honorar ab noch von der Anerkennung durch ein Publikum.

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Mein Kindle

Der Kindle vereinfacht das Leben. Die ganze Bibliothek komprimiert in einem kleinen Gerät. Eine Klassikersammlung in der Handtasche. Bücher kann man innerhalb von Sekunden besorgen und vor allem muß man beim Kofferpacken nicht mehr darüber nachdenken, welches Buch man mitnehmen soll. Ich möchte auf meinen Kindle nicht mehr verzichten.

Früher war ich skeptisch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, daß Texte auf einem E-Book-Reader gut lesbar sind. Doch sie sind es, selbst bei Sonneneinstrahlung. Die Augen werden beim Lesen kaum mehr beansprucht als bei einem Buch.

Dennoch … Richtige Bücher kann das Gerät nicht ersetzen. Die Schönheit gebundener Bücher, das Gefühl, wenn man ein Buch anfasst, die Papierqualität ertastet, es anschaut und sich über den Einband freut …  Auch das, diese sinnliche Komponente, gehört zum Lesen dazu. Der E-Book-Reader präsentiert den reinen Text, vergeistigt in gewisser Hinsicht die Leseerfahrung. Für Sachbücher ist das meist eine geeignete Form, nicht aber für Gedichte:  Denn zum Kunstgenuss gehört eine angemessene Präsentation.

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Nur begrenzt zuverlässig: Korrektursoftware

Ich habe wenig Angst davor, dass Lektoren eines Tages von Korrektursoftware ersetzt werden könnten. Denn ich merke auch bei meiner Arbeit, wie schnell diese Programme an ihre Grenzen stoßen. Und die wichtigste Aufgabe können sie einem Lektor ohnehin nicht abnehmen: Texte sprachlich zu überarbeiten, sie schöner, eleganter und besser lesbar zu machen.

Ich nutze Korrekturprogramme täglich, ergänzend, als nützliches, kleines Werkzeug. Natürlich gibt es bessere und schlechtere: Die Rechtschreibprüfung von Word für Mac hatte in einem Dokument, das ich gestern bearbeitete, noch nicht einmal fehlende Leerstellen zwischen zwei Wörtern bemerkt. Rot unterkringelt waren lediglich ein paar Eigennamen. Darauf verzichtet man in der Tat besser ganz, um sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen.

Doch von den meisten Programmen kann man durchaus mehr erwarten: Tippfehler werden meistens erkannt sowie einige Zeichensetzungs- und Grammatikfehler (z. B. die Verwechslung von das und dass). In höherem Maße als anderen Programmen gelingt das dem Duden Korrektor, dem zur Zeit besten Korrekturprogramm auf dem Markt. Doch leider liegt da die Tücke im Detail. Auch dieses Programm versteht natürlich nicht die Texte, die es prüft, und erkennt nicht immer den Aufbau der Sätze. Die Folge: Es liegt mit seinen Fehlermeldungen nicht immer richtig. Um dies beurteilen zu können, muss man sich jedoch mit der deutschen Grammatik sehr gut auskennen. Also das ideale Programm für Lektoren, die die angezeigten Fehler auch selbst erkennen würden. Für normale Nutzer ist es dagegen nur bedingt geeignet. Dennoch würde ich empfehlen, Korrekturprogramme zu nutzen: Wenn Tippfehler zuverlässig angezeigt werden, ist schon viel gewonnen. Mehr kann man aber nach heutigem Stand nicht erwarten.

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Mit einem Buch anfangen

Es ist ein romantisches Vorurteil, dass kreatives Schreiben immer mit einer Art von Inspiration verbunden sein muss. Oder dass ein Autor vor allem auf seine Intuition, seine Phantasie und den richtigen Einfall im richtigen Moment setzen soll. Bitte nicht falsch verstehen: Phantasie und Schreibtalent sind wichtig. Doch wenn aus einer Idee ein gelungener Text werden soll, ist oft eine genaue Planung entscheidend.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Schreibversuche. Angefangen, drauflosgeschrieben, dann ging’s nicht  mehr weiter, in die Schublade gesteckt (damals noch …) oder abgespeichert (später …) und vergessen. Gelernt habe ich dabei: Wenn man nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, ist sie ziemlich schnell vorbei.

Deshalb sollte der erste Schritt immer ein Exposé sein: ein kurzes für Artikel oder Aufsätze, ein langes für Bücher. Dort wird festgehalten, worum es in dem Text überhaupt geht: Thema und Thesen, Anzahl der Textabschnitte und was darin behandelt wird oder – bei einem fiktiven Text – eine Beschreibung des Plots. In einem Romanexposé steht z. B., wie sich der Plot entwickelt, wie der Szenenverlauf ist, welche Figuren vorgesehen sind, welche Rolle sie haben, wie ihr Charakter angelegt ist. Das alles sollte man so präzise wie möglich festhalten. Wenn die Kapitelstruktur von Anfang an feststeht, lässt es sich auch leichter schreiben: Denn dann kann man sich kleine Ziele setzen und die Arbeit besser planen und überschauen. Meist dauert es eine ganze Weile, bis das Exposé steht. Der Vorteil: Man merkt es schon zu Beginn, ob eine Idee funktioniert, ein Plot tragfähig ist. Und man wird beim Schreiben nicht so leicht den Faden verlieren. Denn ein Exposé ist eine hervorragende Orientierungshilfe.

Die Zukunft der Verlage

Die Verlage werden zweifellos von den neuen Medien unter Druck gesetzt. Seit es E-Books gibt, versuchen sie, mit den neuen Entwicklungen Schritt zu halten. Etwa, indem sie Bücher in zwei Formaten herausgeben, gedruckt und als Datei, doch meist ist das E-Book kaum billiger als die gedruckte Ausgabe. Es lässt sich kaum verkennen, dass viele Verlage eigentlich schon den Anschluss verloren haben. Ich frage mich schon lange, welche neuen Impulse die großen Verlagshäuser heute noch liefern. Als Taktgeber für gesellschaftliche Debatten treten sie kaum mehr in Erscheinung, und es fällt schwer, den meisten, von Nischenverlagen abgesehen, ein klares geistiges Profil zuzuordnen. Die Neuerscheinungen des einen Verlags würden meist ebenso in das Programm eines beliebigen anderen passen.

Dies alles führt zu einem Niedergang, der sich dadurch beschleunigt, dass die Verlage sich stärker als früher verpflichtet fühlen, vor allem auf den Gewinn zu schauen. Dabei lag ihr ideeller Wert immer in den Titeln, die sie duch gewinnträchtige Bücher querfinanzieren mußten. Durch sie erst erhielten sie ihr Profil, nicht durch Marktkonformität.

Je mehr sich E-Books durchsetzen, desto mehr werden die Gewinne der Verlage zwangsläufig sinken. Wer leichte Kost sucht, findet sie auch unter den Büchern von Self-Publishern, die billiger sind als Verlagstitel.  Wer länger sucht, kann dort vereinzelt sogar hervorragende, außergewöhnliche Titel entdecken. Bücher veröffentlichen kann heute eben jeder, auch ohne Verlag, und der Preisverfall erscheint längst unumkehrbar.

Wo könnte die Zukunft der Verlage liegen? Ich hoffe, daß sie kleiner und flexibler werden. Dass sie sich auf eine Nische spezialisieren und von dort aus Debatten anstoßen werden. Dass ihr Programm klar umrissen und deutlich erkennbar ist. Dass sie mutig sind und sich nicht mit einer vermeintlich sicheren Mittelmäßigkeit begnügen, die langfristig noch nicht einmal das Überleben sichern kann. Solche Verlage sind schon heute die interessantesten. Viel Geld wird sich damit aber gewiss nicht verdienen lassen. So werden die Verlage der Zukunft hoffentlich wieder mehr in den Händen von Idealisten liegen.

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Mein Buch ist das beste

„Ich habe da was geschrieben, aber da muss man nicht mehr viel dran machen. Eigentlich gar nichts. Es ist sprachlich sehr gut und viel spannender als andere Bücher. Das sagen meine Freunde auch. Können Sie für mich einen Verlag suchen? Sie würden dann auch Prozente bekommen.„

Solche Sätze höre ich am Telefon öfter. Sie klingen zunächst nach maßloser Selbstüberschätzung. Doch dahinter verbirgt sich ein Mechanismus, den fast jeder kennt, der einmal einen längeren Text geschrieben hat. Der Text erscheint einem selbst plausibel, weil man alle Gedanken kennt, die mit hineingeflossen sind – selbst wenn Außenstehende keinen roten Faden finden können. Natürlich ist man auch vom eigenen Stil überzeugt. Man hat ja das Beste versucht und würde es besser machen, wenn man Brüche und Mängel erkennen würde. Man sieht jedoch keine und hält den eigenen Stil daher für einwandfrei. Und dann erscheint einem die selbstgeschriebene Geschichte natürlich auch spannend. Vielleicht ist sie das auch. Viele verarbeiten in ihren Texten die Geschichte des eigenen Lebens. Sie ist es auf jeden Fall wert, erzählt zu werden – interessant für die literarische Öffentlichkeit ist sie meist dennoch nicht.

Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich dem Schreiben widmet. Ich könnte mir kaum ein schöneres Hobby vorstellen. Es schult das Denken, verbessert den Stil und macht oft sogar glücklich. Denn es tut gut, sich Dinge von der Seele zu schreiben.

Doch es ist wichtig, realistisch zu bleiben. Die Verlage werden mit Manuskripten überschüttet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Manuskript angenommen wird, ist sehr gering. Und sogar verschwindend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als unbekannter Hobbyautor den großen Wurf landet und einen Bestseller schreibt. Viele träumen zwar davon, haben die Geschichte von Joanne K. Rowling oder Stephenie Meyer gehört und glauben deshalb, dass das durchaus möglich ist. Die zündende Idee, großer Ruhm, viel Geld … Doch wie viele Autoren außer den beiden genannten kennen Sie, denen das gelungen ist?

Noch ein Wort zum großen Geld: Mit Büchern wird man normalerweise nicht reich, außer wenn sie wirklich hohe Auflagen erzielen. Selbst wenn man einen Verlag findet: In der Zeit, die man für das Schreiben des Buchs braucht, hätte man gewöhnlich mit jeder anderen Arbeit mehr verdient.

Das alles soll niemanden vom Schreiben abhalten. Doch soll sich auch niemand Illusionen machen. Schreiben ist eine schöne, sinnvolle Beschäftigung. Es ist eine wunderbare Idee, seine Lebensgeschichte für die Nachkommen aufzuschreiben – ich kenne einen älteren Herrn, in dessen Familie dies seit 200 Jahren praktiziert wird: ein großer Schatz für die nachfolgenden Generationen. Und wenn man eine Geschichte im Kopf und Freude am Schreiben hat, soll man sich ruhig die Zeit dafür nehmen. Doch die Motivation sollte nicht der Wunsch nach Geld und Ruhm sein, sondern die Freude am Schreiben und an der Sprache. Und wenn man ein Buch veröffentlichen will, kann man das auch ohne Verlag tun: bei Amazon etwa oder als book-on-demand.

Aber es gibt doch auch viele Autoren, die einen Verlag finden? Ja, die gibt es. Natürlich kann es auch gelingen. Wenn man hart arbeitet, viel Realitätssinn hat und die Fähigkeit, den eigenen Text kritisch zu betrachten. Sehr hilfreich kann die Kritik eines Außenstehenden sein – von der Familie oder von Freunden kann man keinen objektiven Blick erwarten. Ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen ist möglich, aber es ist kein leichter Weg.

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Die Angst vor dem leeren Blatt

Selbst erfolgreiche Schriftsteller kennen sie: die Angst vor dem leeren Blatt. Schreibblockaden gehören leider zum Schreiben dazu. Oft verbirgt sich dahinter die Vorstellung, ein guter Text müsste perfekt sein. Oder man bräuchte eine geniale Idee und müsse besonders kreativ sein. Doch zum Schreiben braucht man nicht die Intuition eines Dichters. Willenskraft und Durchhaltevermögen genügen. Wenn man das Schreiben entzaubert, sich vom Perfektionismus und dem Wunsch nach Genialität verabschiedet, verschwindet mit der Zeit auch die Angst vor dem weißen Blatt. Hier ein paar Tipps, wie dies gelingen kann.

 

1. Nicht mit einem zu hohen Anspruch beginnen. Niemandem fließen von Anfang an perfekt formulierte Sätze aus der Feder. Gute Formulierungen fliegen einem nicht zu, sie müssen sich erst entwickeln. Am besten schreibt man erst eine Rohfassung des Textes. Wenn diese steht, kann man kürzen, streichen an den Formulierungen feilen … Statt auf einen genialen Einfall zu warten, besser kontinuierlich am Text arbeiten.

 

2. Daher ist es auch besser, nicht auf den perfekten ersten Satz zu warten. Wichtig ist es, überhaupt anzufangen. Zum Beispiel mit dem zweiten oder dritten Satz. Mit dem zweiten Abschnitt. Mittendrin. Und wenn man nicht weiterkommt: Stichwörter notieren oder an einer anderen Stelle weitermachen. Die Lücken kann man später auffüllen.

 

3. Das Schreiben fällt leichter, wenn man genug Zeit in die Vorarbeiten investiert. Wenn man ein detailliertes Inhaltsverzeichnis mit Unterpunkten erstellt, sieht die Aufgabe, die vor einem liegt, gar nicht mehr so groß aus: Dann kann man das große Werk in viele kleine Aufgaben unterteilen, die man nach und nach abarbeitet.

 

4. Und die beste Motivation für den nächsten Schritt: sich selbst belohnen, wenn man eine Aufgabe erledigt hat.