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Mit einem Buch anfangen

Es ist ein romantisches Vorurteil, dass kreatives Schreiben immer mit einer Art von Inspiration verbunden sein muss. Oder dass ein Autor vor allem auf seine Intuition, seine Phantasie und den richtigen Einfall im richtigen Moment setzen soll. Bitte nicht falsch verstehen: Phantasie und Schreibtalent sind wichtig. Doch wenn aus einer Idee ein gelungener Text werden soll, ist oft eine genaue Planung entscheidend.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Schreibversuche. Angefangen, drauflosgeschrieben, dann ging’s nicht  mehr weiter, in die Schublade gesteckt (damals noch …) oder abgespeichert (später …) und vergessen. Gelernt habe ich dabei: Wenn man nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, ist sie ziemlich schnell vorbei.

Deshalb sollte der erste Schritt immer ein Exposé sein: ein kurzes für Artikel oder Aufsätze, ein langes für Bücher. Dort wird festgehalten, worum es in dem Text überhaupt geht: Thema und Thesen, Anzahl der Textabschnitte und was darin behandelt wird oder – bei einem fiktiven Text – eine Beschreibung des Plots. In einem Romanexposé steht z. B., wie sich der Plot entwickelt, wie der Szenenverlauf ist, welche Figuren vorgesehen sind, welche Rolle sie haben, wie ihr Charakter angelegt ist. Das alles sollte man so präzise wie möglich festhalten. Wenn die Kapitelstruktur von Anfang an feststeht, lässt es sich auch leichter schreiben: Denn dann kann man sich kleine Ziele setzen und die Arbeit besser planen und überschauen. Meist dauert es eine ganze Weile, bis das Exposé steht. Der Vorteil: Man merkt es schon zu Beginn, ob eine Idee funktioniert, ein Plot tragfähig ist. Und man wird beim Schreiben nicht so leicht den Faden verlieren. Denn ein Exposé ist eine hervorragende Orientierungshilfe.

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