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Buchmarkt: Keine Chance auf Veröffentlichung?

Falsche Erwartungen werden gewöhnlich von der Wirklichkeit korrigiert. Manchmal hat man aber auch unrealistische Bilder im Kopf, an denen man gerne festhält. So geht es Autoren oft mit den großen Verlagen: Gerne möchte man in ihnen Institutionen sehen, die sich der Literaturförderung verschrieben haben und sich daher nicht vorrangig von wirtschaftlichen Überlegungen leiten lassen. Eine Vorstellung, die noch immer weitverbreitet ist.

Wenig Chancen für neue Autoren

Doch der Alltag im Verlag sieht anders aus. Als Studentin habe ich ein Praktikum bei einem großen Publikumsverlag gemacht. Jeden Morgen lag ein Stapel unaufgefordert eingereichter Manuskripte auf meinem Schreibtisch.  Ich sollte sie prüfen, und das bedeutete: ein paar Seiten lesen und in der Regel gleich einen Absagebrief schreiben. Wenn ein Manuskript gut ist: an den Verlagslektor weiterreichen. Dass es unmöglich war, alle Texte gründlich zu lesen, lag für mich auf der Hand: Die Masse der Manuskripte wäre sonst gar nicht zu bewältigen gewesen.

Ich fragte einen Lektor, ob man mit einem unaufgefordert eingereichten Manuskript überhaupt eine Chance habe. Da erzählte er mir eine Geschichte: Nur einmal hatte er einen Roman eines unbekannten Autors in den Händen, den er gerne herausgebracht hätte. Er hatte ihn sogar bei der verlagsinternen Lektorenkonferenz vorgeschlagen. Angenommen wurde der Roman jedoch nicht: Denn der Autor war schon über 50 – zu alt, um sich gut vermarkten zu lassen, sagte der Lektor.

Das ist natürlich schon lange her. Ein kürzlich erschienener Spiegel-Artikel bestätigt jedoch, dass sich in der Zwischenzeit nicht viel geändert hat. Der Artikel ist aus der Perspektive eines Verlagslektors geschrieben. An dem arroganten Grundton, den man manchmal heraushört, kann man sich zwar stören. Dennoch ist der Artikel aufschlussreich. Der wichtigste Satz ist sicher folgender: „Viele Schreiber sitzen einem Missverständnis auf: Als Verlag sind wir keine Literaturförderinstitution, sondern ein Unternehmen, das am Jahresende eine positive Bilanz liefern muss.

Verlage arbeiten gewinnorientiert

Das bedeutet: Verlage wollen mit ihren Produkten Gewinn machen, wie jedes andere Unternehmen auch. Sie bringen Bücher heraus, von denen sie glauben, dass sie sich gut verkaufen. Literaturförderung ist nicht ihr Metier, literarischer Anspruch wünschenswert, aber oft zweitrangig. Und was lässt sich gut verkaufen? Sicher keine sperrige Literatur, die ein Wagnis eingeht, sondern Texte, die einen Trend aufgreifen und eingängig geschrieben sind. Damit will ich keineswegs sagen, dass große Literatur nicht spannend sein kann und sich zwangsläufig schlecht verkauft. Sondern nur, dass die literarische Qualität eines Textes nicht entscheidend ist, wenn es ums Verkaufen geht. Auf der sicheren Seite ist ein Verlag mit marktkonformen Texten, die erprobten und gut funktionierenden literarischen Mustern folgen.

Dass gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen den Spielregeln des Marktes folgen, kann man ihnen nicht vorwerfen. Ablegen sollte man aber diesen rührend naiven Blick auf das Verlagswesen. Noch immer gibt es in der  Selbst- und Fremdwahrnehmung der Verlage gewaltige Brüche: Gerade die großen Verlage und ihre Lektoren zehren von dem Nimbus, Hüter und Mittler der Literatur zu sein. Ein Verlagslektor arbeitet oft ähnlich wie ein Projektmanager, doch viele Autoren halten ihn für einen Richter über den guten Geschmack. Sie fühlen sich persönlich getroffen, wenn ihr Manuskript abgelehnt wird – dabei bedeutet eine Absage meist nur, dass der Verlag denText nicht für verkaufsträchtig hält. Oder noch nicht einmal das, denn oft genug wirft nur ein Praktikant einen kurzen Blick auf die Texte und sie landen mehr oder weniger ungesehen im Papierkorb.

Alternativen für Autoren

Dennoch glaube ich, dass ein gutes Buch immer seinen Weg an die Öffentlichkeit finden kann. Denn natürlich gibt es auch Verleger, denen es vor allem um Literatur geht. Gerade die kleineren Nischenverlage bieten oft ein interessantes Programm und stellen sich der Aufgabe, Literatur zu entdecken und zu fördern. Und wer bereit ist, sein Buch selbst zu vermarkten, kann es als Selfpublisher herausbringen. Natürlich wünschen sich viele Autoren, bei einem bekannten Verlag unterzukommen. Doch weder ist das ein Ritterschlag für einen Dichter, noch ist eine Absage eine persönliche Niederlage. Es ist also höchste Zeit, die großen Verlage zu entzaubern.

 

Was macht einen Roman zu einem guten Roman?
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Was macht einen guten Roman aus?

Ich bekomme oft Anfragen von Autoren, die ihre Lebensgeschichte niedergeschrieben haben. Da sie einiges verschleiert haben, eventuell die Handlung in eine andere Stadt verlegt und sich selbst in dem Text einen anderen Namen gegeben haben, sprechen sie oft von einem “Roman”, für den sie einen Verlag suchen. Ein Anliegen, das durchaus nachvollziehbar ist: Denn wo verläuft eigentlich die Grenzlinie zwischen einem biographischen und einem literarischen Text?

Auf den ersten Blick sieht die Sache eindeutig aus: Eine Lebensgeschichte ist kein Roman, auch dann nicht, wenn man seinen Protagonisten, also die eigene Person, im Text Otto Edelherz nennt, obwohl man Friedrich Großhand heißt. Doch ganz so einfach ist es nicht: Kaum ein Roman kommt ohne biographische Anteile aus. Man denke nur an die Buddenbrooks. Und was ist mit Hybridgattungen wie biographischen Romanen oder fiktionalen Biographien, die es doch auch gibt?

Ich möchte nicht mit Begriffen langweilen, sondern einfach zwei Merkmale nennen, die viele gute Romane aufweisen:

– Sie sind exemplarisch für ihre Zeit, zeigen die herrschenden Stimmungen, den Zeitgeist. Auch hier sind die Buddenbrooks das beste Beispiel, diese Seelengeschichte des protestantischen Bürgertums, die zugleich ein weiteres wichtiges Kennzeichen enthält:

– Sie nehmen Stimmungen vorweg, drücken Ahnungen aus, die sich erst später als richtig erweisen. Der Autor hat also ein Gespür für Dinge, die “in der Luft liegen”. Wie Thomas Mann, der mit den Buddenbrooks einen Abgesang auf die Welt schrieb, in der er selbst noch verwurzelt war.

Dass dies die wenigsten Bücher leisten können, seien sie biographisch motiviert oder nicht, liegt auf der Hand. Niemanden möge dies vom Schreiben abhalten. Doch möge auch niemand enttäuscht sein, wenn kein Verleger in einer niedergeschriebenen Lebensgeschichte Bestsellerqualitäten erkennen will.

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Seien Sie ein Dilettant!

Der Begriff Dilettantismus wird heute meist ausgesprochen negativ bewertet: Ein Dilettant ist ein Nichtfachmann, ein Pfuscher, das Gegenteil eines Künstlers. Schöner ist die Definition von Goethe und Schiller: Der Dilettant sei, schrieben sie in einem gemeinsam verfassten Fragment, “ein Liebhaber der Künste, der nicht allein betrachten und genießen, sondern auch an ihrer Ausübung Teil nehmen will” (Goethe/Schiller, Über den Dilettantismus). Eine ausgesprochen positive Bewertung also: Der Dilettant ist ein Liebhaber und übt eine Kunst aus. Doch was unterscheidet ihn vom Berufskünstler? Kenntnis? Können? Schwer zu sagen. Dass er in der Regel ein Autodidakt ist? Das sind die meisten Schriftsteller auch. Oder dann doch der Zeitaufwand? Und damit letztlich die Frage, ob mit der Kunst der Lebensunterhalt bestritten werden kann? Doch wäre dann fast jeder Schriftsteller heute ein Dilettant: Denn von den niedrigen Verlagstantiemen kann ohnehin niemand leben.

Und ohne kunstinteressierte Dilettanten könnten auch die Berufskünstler einpacken: weil ihnen der wichtigste Teil ihres Publikums abhanden käme.

Wie dem auch sei: Ein Dilettant hat Interesse an der Kunst und versucht sich in ihr, und dies ist mehr als anerkennenswert.  Wichtig ist doch vor allem die Freude, etwas zu erschaffen. Und die hängt weder vom Honorar ab noch von der Anerkennung durch ein Publikum.

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Mit einem Buch anfangen

Es ist ein romantisches Vorurteil, dass kreatives Schreiben immer mit einer Art von Inspiration verbunden sein muss. Oder dass ein Autor vor allem auf seine Intuition, seine Phantasie und den richtigen Einfall im richtigen Moment setzen soll. Bitte nicht falsch verstehen: Phantasie und Schreibtalent sind wichtig. Doch wenn aus einer Idee ein gelungener Text werden soll, ist oft eine genaue Planung entscheidend.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Schreibversuche. Angefangen, drauflosgeschrieben, dann ging’s nicht  mehr weiter, in die Schublade gesteckt (damals noch …) oder abgespeichert (später …) und vergessen. Gelernt habe ich dabei: Wenn man nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, ist sie ziemlich schnell vorbei.

Deshalb sollte der erste Schritt immer ein Exposé sein: ein kurzes für Artikel oder Aufsätze, ein langes für Bücher. Dort wird festgehalten, worum es in dem Text überhaupt geht: Thema und Thesen, Anzahl der Textabschnitte und was darin behandelt wird oder – bei einem fiktiven Text – eine Beschreibung des Plots. In einem Romanexposé steht z. B., wie sich der Plot entwickelt, wie der Szenenverlauf ist, welche Figuren vorgesehen sind, welche Rolle sie haben, wie ihr Charakter angelegt ist. Das alles sollte man so präzise wie möglich festhalten. Wenn die Kapitelstruktur von Anfang an feststeht, lässt es sich auch leichter schreiben: Denn dann kann man sich kleine Ziele setzen und die Arbeit besser planen und überschauen. Meist dauert es eine ganze Weile, bis das Exposé steht. Der Vorteil: Man merkt es schon zu Beginn, ob eine Idee funktioniert, ein Plot tragfähig ist. Und man wird beim Schreiben nicht so leicht den Faden verlieren. Denn ein Exposé ist eine hervorragende Orientierungshilfe.

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Mein Buch ist das beste

„Ich habe da was geschrieben, aber da muss man nicht mehr viel dran machen. Eigentlich gar nichts. Es ist sprachlich sehr gut und viel spannender als andere Bücher. Das sagen meine Freunde auch. Können Sie für mich einen Verlag suchen? Sie würden dann auch Prozente bekommen.„

Solche Sätze höre ich am Telefon öfter. Sie klingen zunächst nach maßloser Selbstüberschätzung. Doch dahinter verbirgt sich ein Mechanismus, den fast jeder kennt, der einmal einen längeren Text geschrieben hat. Der Text erscheint einem selbst plausibel, weil man alle Gedanken kennt, die mit hineingeflossen sind – selbst wenn Außenstehende keinen roten Faden finden können. Natürlich ist man auch vom eigenen Stil überzeugt. Man hat ja das Beste versucht und würde es besser machen, wenn man Brüche und Mängel erkennen würde. Man sieht jedoch keine und hält den eigenen Stil daher für einwandfrei. Und dann erscheint einem die selbstgeschriebene Geschichte natürlich auch spannend. Vielleicht ist sie das auch. Viele verarbeiten in ihren Texten die Geschichte des eigenen Lebens. Sie ist es auf jeden Fall wert, erzählt zu werden – interessant für die literarische Öffentlichkeit ist sie meist dennoch nicht.

Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich dem Schreiben widmet. Ich könnte mir kaum ein schöneres Hobby vorstellen. Es schult das Denken, verbessert den Stil und macht oft sogar glücklich. Denn es tut gut, sich Dinge von der Seele zu schreiben.

Doch es ist wichtig, realistisch zu bleiben. Die Verlage werden mit Manuskripten überschüttet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Manuskript angenommen wird, ist sehr gering. Und sogar verschwindend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als unbekannter Hobbyautor den großen Wurf landet und einen Bestseller schreibt. Viele träumen zwar davon, haben die Geschichte von Joanne K. Rowling oder Stephenie Meyer gehört und glauben deshalb, dass das durchaus möglich ist. Die zündende Idee, großer Ruhm, viel Geld … Doch wie viele Autoren außer den beiden genannten kennen Sie, denen das gelungen ist?

Noch ein Wort zum großen Geld: Mit Büchern wird man normalerweise nicht reich, außer wenn sie wirklich hohe Auflagen erzielen. Selbst wenn man einen Verlag findet: In der Zeit, die man für das Schreiben des Buchs braucht, hätte man gewöhnlich mit jeder anderen Arbeit mehr verdient.

Das alles soll niemanden vom Schreiben abhalten. Doch soll sich auch niemand Illusionen machen. Schreiben ist eine schöne, sinnvolle Beschäftigung. Es ist eine wunderbare Idee, seine Lebensgeschichte für die Nachkommen aufzuschreiben – ich kenne einen älteren Herrn, in dessen Familie dies seit 200 Jahren praktiziert wird: ein großer Schatz für die nachfolgenden Generationen. Und wenn man eine Geschichte im Kopf und Freude am Schreiben hat, soll man sich ruhig die Zeit dafür nehmen. Doch die Motivation sollte nicht der Wunsch nach Geld und Ruhm sein, sondern die Freude am Schreiben und an der Sprache. Und wenn man ein Buch veröffentlichen will, kann man das auch ohne Verlag tun: bei Amazon etwa oder als book-on-demand.

Aber es gibt doch auch viele Autoren, die einen Verlag finden? Ja, die gibt es. Natürlich kann es auch gelingen. Wenn man hart arbeitet, viel Realitätssinn hat und die Fähigkeit, den eigenen Text kritisch zu betrachten. Sehr hilfreich kann die Kritik eines Außenstehenden sein – von der Familie oder von Freunden kann man keinen objektiven Blick erwarten. Ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen ist möglich, aber es ist kein leichter Weg.

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Die Angst vor dem leeren Blatt

Selbst erfolgreiche Schriftsteller kennen sie: die Angst vor dem leeren Blatt. Schreibblockaden gehören leider zum Schreiben dazu. Oft verbirgt sich dahinter die Vorstellung, ein guter Text müsste perfekt sein. Oder man bräuchte eine geniale Idee und müsse besonders kreativ sein. Doch zum Schreiben braucht man nicht die Intuition eines Dichters. Willenskraft und Durchhaltevermögen genügen. Wenn man das Schreiben entzaubert, sich vom Perfektionismus und dem Wunsch nach Genialität verabschiedet, verschwindet mit der Zeit auch die Angst vor dem weißen Blatt. Hier ein paar Tipps, wie dies gelingen kann.

 

1. Nicht mit einem zu hohen Anspruch beginnen. Niemandem fließen von Anfang an perfekt formulierte Sätze aus der Feder. Gute Formulierungen fliegen einem nicht zu, sie müssen sich erst entwickeln. Am besten schreibt man erst eine Rohfassung des Textes. Wenn diese steht, kann man kürzen, streichen an den Formulierungen feilen … Statt auf einen genialen Einfall zu warten, besser kontinuierlich am Text arbeiten.

 

2. Daher ist es auch besser, nicht auf den perfekten ersten Satz zu warten. Wichtig ist es, überhaupt anzufangen. Zum Beispiel mit dem zweiten oder dritten Satz. Mit dem zweiten Abschnitt. Mittendrin. Und wenn man nicht weiterkommt: Stichwörter notieren oder an einer anderen Stelle weitermachen. Die Lücken kann man später auffüllen.

 

3. Das Schreiben fällt leichter, wenn man genug Zeit in die Vorarbeiten investiert. Wenn man ein detailliertes Inhaltsverzeichnis mit Unterpunkten erstellt, sieht die Aufgabe, die vor einem liegt, gar nicht mehr so groß aus: Dann kann man das große Werk in viele kleine Aufgaben unterteilen, die man nach und nach abarbeitet.

 

4. Und die beste Motivation für den nächsten Schritt: sich selbst belohnen, wenn man eine Aufgabe erledigt hat.