Die Zukunft der Verlage

Die Verlage werden zweifellos von den neuen Medien unter Druck gesetzt. Seit es E-Books gibt, versuchen sie, mit den neuen Entwicklungen Schritt zu halten. Etwa, indem sie Bücher in zwei Formaten herausgeben, gedruckt und als Datei, doch meist ist das E-Book kaum billiger als die gedruckte Ausgabe. Es lässt sich kaum verkennen, dass viele Verlage eigentlich schon den Anschluss verloren haben. Ich frage mich schon lange, welche neuen Impulse die großen Verlagshäuser heute noch liefern. Als Taktgeber für gesellschaftliche Debatten treten sie kaum mehr in Erscheinung, und es fällt schwer, den meisten, von Nischenverlagen abgesehen, ein klares geistiges Profil zuzuordnen. Die Neuerscheinungen des einen Verlags würden meist ebenso in das Programm eines beliebigen anderen passen.

Dies alles führt zu einem Niedergang, der sich dadurch beschleunigt, dass die Verlage sich stärker als früher verpflichtet fühlen, vor allem auf den Gewinn zu schauen. Dabei lag ihr ideeller Wert immer in den Titeln, die sie duch gewinnträchtige Bücher querfinanzieren mußten. Durch sie erst erhielten sie ihr Profil, nicht durch Marktkonformität.

Je mehr sich E-Books durchsetzen, desto mehr werden die Gewinne der Verlage zwangsläufig sinken. Wer leichte Kost sucht, findet sie auch unter den Büchern von Self-Publishern, die billiger sind als Verlagstitel.  Wer länger sucht, kann dort vereinzelt sogar hervorragende, außergewöhnliche Titel entdecken. Bücher veröffentlichen kann heute eben jeder, auch ohne Verlag, und der Preisverfall erscheint längst unumkehrbar.

Wo könnte die Zukunft der Verlage liegen? Ich hoffe, daß sie kleiner und flexibler werden. Dass sie sich auf eine Nische spezialisieren und von dort aus Debatten anstoßen werden. Dass ihr Programm klar umrissen und deutlich erkennbar ist. Dass sie mutig sind und sich nicht mit einer vermeintlich sicheren Mittelmäßigkeit begnügen, die langfristig noch nicht einmal das Überleben sichern kann. Solche Verlage sind schon heute die interessantesten. Viel Geld wird sich damit aber gewiss nicht verdienen lassen. So werden die Verlage der Zukunft hoffentlich wieder mehr in den Händen von Idealisten liegen.