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Mein Buch ist das beste

„Ich habe da was geschrieben, aber da muss man nicht mehr viel dran machen. Eigentlich gar nichts. Es ist sprachlich sehr gut und viel spannender als andere Bücher. Das sagen meine Freunde auch. Können Sie für mich einen Verlag suchen? Sie würden dann auch Prozente bekommen.„

Solche Sätze höre ich am Telefon öfter. Sie klingen zunächst nach maßloser Selbstüberschätzung. Doch dahinter verbirgt sich ein Mechanismus, den fast jeder kennt, der einmal einen längeren Text geschrieben hat. Der Text erscheint einem selbst plausibel, weil man alle Gedanken kennt, die mit hineingeflossen sind – selbst wenn Außenstehende keinen roten Faden finden können. Natürlich ist man auch vom eigenen Stil überzeugt. Man hat ja das Beste versucht und würde es besser machen, wenn man Brüche und Mängel erkennen würde. Man sieht jedoch keine und hält den eigenen Stil daher für einwandfrei. Und dann erscheint einem die selbstgeschriebene Geschichte natürlich auch spannend. Vielleicht ist sie das auch. Viele verarbeiten in ihren Texten die Geschichte des eigenen Lebens. Sie ist es auf jeden Fall wert, erzählt zu werden – interessant für die literarische Öffentlichkeit ist sie meist dennoch nicht.

Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich dem Schreiben widmet. Ich könnte mir kaum ein schöneres Hobby vorstellen. Es schult das Denken, verbessert den Stil und macht oft sogar glücklich. Denn es tut gut, sich Dinge von der Seele zu schreiben.

Doch es ist wichtig, realistisch zu bleiben. Die Verlage werden mit Manuskripten überschüttet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Manuskript angenommen wird, ist sehr gering. Und sogar verschwindend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als unbekannter Hobbyautor den großen Wurf landet und einen Bestseller schreibt. Viele träumen zwar davon, haben die Geschichte von Joanne K. Rowling oder Stephenie Meyer gehört und glauben deshalb, dass das durchaus möglich ist. Die zündende Idee, großer Ruhm, viel Geld … Doch wie viele Autoren außer den beiden genannten kennen Sie, denen das gelungen ist?

Noch ein Wort zum großen Geld: Mit Büchern wird man normalerweise nicht reich, außer wenn sie wirklich hohe Auflagen erzielen. Selbst wenn man einen Verlag findet: In der Zeit, die man für das Schreiben des Buchs braucht, hätte man gewöhnlich mit jeder anderen Arbeit mehr verdient.

Das alles soll niemanden vom Schreiben abhalten. Doch soll sich auch niemand Illusionen machen. Schreiben ist eine schöne, sinnvolle Beschäftigung. Es ist eine wunderbare Idee, seine Lebensgeschichte für die Nachkommen aufzuschreiben – ich kenne einen älteren Herrn, in dessen Familie dies seit 200 Jahren praktiziert wird: ein großer Schatz für die nachfolgenden Generationen. Und wenn man eine Geschichte im Kopf und Freude am Schreiben hat, soll man sich ruhig die Zeit dafür nehmen. Doch die Motivation sollte nicht der Wunsch nach Geld und Ruhm sein, sondern die Freude am Schreiben und an der Sprache. Und wenn man ein Buch veröffentlichen will, kann man das auch ohne Verlag tun: bei Amazon etwa oder als book-on-demand.

Aber es gibt doch auch viele Autoren, die einen Verlag finden? Ja, die gibt es. Natürlich kann es auch gelingen. Wenn man hart arbeitet, viel Realitätssinn hat und die Fähigkeit, den eigenen Text kritisch zu betrachten. Sehr hilfreich kann die Kritik eines Außenstehenden sein – von der Familie oder von Freunden kann man keinen objektiven Blick erwarten. Ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen ist möglich, aber es ist kein leichter Weg.

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