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Seien Sie ein Dilettant!

Der Begriff Dilettantismus wird heute meist ausgesprochen negativ bewertet: Ein Dilettant ist ein Nichtfachmann, ein Pfuscher, das Gegenteil eines Künstlers. Schöner ist die Definition von Goethe und Schiller: Der Dilettant sei, schrieben sie in einem gemeinsam verfassten Fragment, „ein Liebhaber der Künste, der nicht allein betrachten und genießen, sondern auch an ihrer Ausübung Teil nehmen will“ (Goethe/Schiller, Über den Dilettantismus). Eine ausgesprochen positive Bewertung also: Der Dilettant ist ein Liebhaber und übt eine Kunst aus. Doch was unterscheidet ihn vom Berufskünstler? Kenntnis? Können? Schwer zu sagen. Dass er in der Regel ein Autodidakt ist? Das sind die meisten Schriftsteller auch. Oder dann doch der Zeitaufwand? Und damit letztlich die Frage, ob mit der Kunst der Lebensunterhalt bestritten werden kann? Doch wäre dann fast jeder Schriftsteller heute ein Dilettant: Denn von den niedrigen Verlagstantiemen kann ohnehin niemand leben.

Und ohne kunstinteressierte Dilettanten könnten auch die Berufskünstler einpacken: weil ihnen der wichtigste Teil ihres Publikums abhanden käme.

Wie dem auch sei: Ein Dilettant hat Interesse an der Kunst und versucht sich in ihr, und dies ist mehr als anerkennenswert.  Wichtig ist doch vor allem die Freude, etwas zu erschaffen. Und die hängt weder vom Honorar ab noch von der Anerkennung durch ein Publikum.

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