Was macht einen Roman zu einem guten Roman?
Kommentare 0

Was macht einen guten Roman aus?

Ich bekomme oft Anfragen von Autoren, die ihre Lebensgeschichte niedergeschrieben haben. Da sie einiges verschleiert haben, eventuell die Handlung in eine andere Stadt verlegt und sich selbst in dem Text einen anderen Namen gegeben haben, sprechen sie oft von einem „Roman“, für den sie einen Verlag suchen. Ein Anliegen, das durchaus nachvollziehbar ist: Denn wo verläuft eigentlich die Grenzlinie zwischen einem biographischen und einem literarischen Text?

Auf den ersten Blick sieht die Sache eindeutig aus: Eine Lebensgeschichte ist kein Roman, auch dann nicht, wenn man seinen Protagonisten, also die eigene Person, im Text Otto Edelherz nennt, obwohl man Friedrich Großhand heißt. Doch ganz so einfach ist es nicht: Kaum ein Roman kommt ohne biographische Anteile aus. Man denke nur an die Buddenbrooks. Und was ist mit Hybridgattungen wie biographischen Romanen oder fiktionalen Biographien, die es doch auch gibt?

Ich möchte nicht mit Begriffen langweilen, sondern einfach zwei Merkmale nennen, die viele gute Romane aufweisen:

– Sie sind exemplarisch für ihre Zeit, zeigen die herrschenden Stimmungen, den Zeitgeist. Auch hier sind die Buddenbrooks das beste Beispiel, diese Seelengeschichte des protestantischen Bürgertums, die zugleich ein weiteres wichtiges Kennzeichen enthält:

– Sie nehmen Stimmungen vorweg, drücken Ahnungen aus, die sich erst später als richtig erweisen. Der Autor hat also ein Gespür für Dinge, die „in der Luft liegen“. Wie Thomas Mann, der mit den Buddenbrooks einen Abgesang auf die Welt schrieb, in der er selbst noch verwurzelt war.

Dass dies die wenigsten Bücher leisten können, seien sie biographisch motiviert oder nicht, liegt auf der Hand. Niemanden möge dies vom Schreiben abhalten. Doch möge auch niemand enttäuscht sein, wenn kein Verleger in einer niedergeschriebenen Lebensgeschichte Bestsellerqualitäten erkennen will.

Schreibe eine Antwort